So long, it’s been good to know you

Ich sitze auf dem Boden eines Berliner Clubs, umringt von völlig entspannten Menschen, klimpere mit meinem Ring rhythmisch an eine Glasflasche und summe die Melodie, die der energische, junge Mann auf der Bühne vorgibt. Er steht dort ausnahmsweise allein, rackert sich klopfend, schrammelnd und zupfend an seiner Akustikgitarre ab, loopt den eigenen Gesang, um seiner sensiblen, eindringlichen Musik noch eine Ebene mehr hinzuzufügen und beschert mir mit seiner einmaligen Performance einen der magischsten Konzertabende meines Lebens.

Diesmal steht Tim Neuhaus zwar mit Band auf der Bühne, hat aber dennoch für weitere Verstärkung gesorgt: Ian Fisher & The Present, ein Akustik-Duo der außergewöhnlichen Art. Die hemdsärmeligen Bärtigen aus Missouri spielen, perfekt aufeinander abgestimmt, amerikanischen Folk als hätten sie nie etwas anderes getan. Ihr Klang reicht von entrückt bis bissig, die Stimmen klar und kräftig mit diesem typischen Südstaaten-Akzent, der das Ganze irgendwie noch ehrlicher und authentischer macht. Umwerfend und unbedingt empfehlenswert!

Und dann der Main-Act: Obwohl ich das neue Album als zu elektronisch und poppig empfinde, werde ich von der Darbietung der vier Herren in selig-lächelnde Trance versetzt. Spätestens als die mir unbekannte junge Frau zum Duet mit dem Meister ansetzt, kriege ich den Mund nicht mehr zu: Mit grandiosen Entdeckungen hatte ich an diesem Abend wirklich nicht gerechnet, gleich gar nicht mit zweien. Kat Frankie klingt wie eine der ganz Großen, Pattie Smith oder Annie Lennox, auch wenn mich ihre tiefe, dunkle Stimme im A-Capella-Song „Too Young“ eher an eine der Soul-Diven aus den 70ern erinnert (mir fällt nur nicht ein, an welche – sowas macht mich ja irre).

Am Ende das titelgebende Singalong der Künstler mitten im Publikum. Großes Kino. Schön war’s.

Mindestens erwähnenswert sind übrigens auch die Intergalactic Lovers, die als erste Vorband auftraten, aber nicht so recht ins restliche Konzept passten. Sehr chilliger, belgischer Indie-Rock im Stile von Feist.