Bewegtbilder 2012: Kurzkritiken (3)

Nach Teil 1 und Teil 2 meiner Kurzkritiken nun der dritte und letzte Teil.

Battleship: Meine Güte, war der schlecht. Ich habe sogar kurz überlegt, ob dieser Käse meinen Dauerfavoriten Mystery Science Theater 3000 von Platz 1 der schlechtesten Filme aller Zeiten verdrängt. Aber nicht mal dafür hat er das Format.

Oma & Bella: Alexa Karolinski porträtiert eindrucksvoll das alltägliche Leben ihrer Großmutter und deren Freundin Bella, indem sie die beiden Holocaust-Überlebenden vor allem bei der Zubereitung traditioneller jüdischer Gerichte beobachtet und den sehr lebendigen Erinnerungen der beiden Damen lauscht, die sich allen Umständen zum Trotz nach dem Krieg in Berlin niederließen. Ein sehr bewegender, ehrlicher Film über Herkunft, Identität und Tradition, dessen Hauptdarstellerinnen zuweilen tiefe Einblicke in die Vergangenheit gewähren. Dringende Empfehlung!

Regina Karolinski & Bella Katz

Prometheus: Als ich Alien zum ersten Mal sah, schwankte ich zwischen Schock, Grusel, Faszination und Bewunderung (besonders für die absolut überragende Sigourney Weaver), entsprechend hohe Erwartungen hatte ich an die hier verfilmte Vorgeschichte. Den Rest meiner Kritik lesen Sie bitte beim Nuf, treffender kann ich es nicht formulieren. Nur soviel: hanebüchener Schwachsinn, ich war schwer enttäuscht.

Die Mondverschwörung: Dennis Mascarenas, Reporter eines deutschsprachigen amerikanischen Fernsehsenders, wittert sich in dieser völlig absurden Realsatire von einer paranoiden Verschwörungstheorie zur nächsten. Ausgehend von der Frage, wem der Mond gehört, bekommt es der investigative Journalist neben windigen Geschäftemachern bald auch mit der esoterischen Rechten zu tun, deren Propaganda nicht nur komisch sondern vor allem erschreckend anmutet. Trotz ungeahnter Einblicke in die geistige Verfassung meiner Mitmenschen, wirkte die Doku über lange Strecken ziellos und schwerfällig.

Moonrise Kingdom: Der zwölfjährige Sam Shakushky türmt schwer verknallt aus dem Pfadfinderlager, um mit der träumerischen Außenseiterin Suzy durchzubrennen. An der folgenden Suchaktion beteiligen sich nicht nur der örtliche Polizist und sämtliche Pfadfinder der Gegend, auch das Jugendamt schaltet sich ein. Das Staraufgebot zitiert sich dabei munter durch Filmgeschichte – Die Verurteilten meets Mad Max meets Herr der Fliegen meets Einen-beliebigen-Film-in-dem-die-Hauptpersonen-bei-Gewitter-auf-einem-Dach-stehen-und-sich-voller-Dramatik-fast-zu-Tode-stürzen – während sich der Regisseur unfassbar detailverliebt an altmodischen Flohmarktmöbeln, Blümchentapeten, schrullig-exzentrischen Charakteren und bemerkenswert nüchternen Dialogen abarbeitet, um einer zarten Romanze zur Unabhängigkeit zu verhelfen. Großartig!

Moonrise Kingdom

Phoebe in Wonderland: Ein neunjähriges Mädchen mit Zwangsstörungen flüchtet vor den Problemen der realen in eine erträumte Welt voller Fantasiegestalten, ihre Mutter ergeht sich in Zweifeln, Schuldgefühlen und Uneinsichtigkeit, der Vater bleibt konturlos und die exzentrische Theaterpädagogin erscheint als mysteriöse Verbindung zwischen Phoebes Welten. Die Geschichte wabert eher oberflächlich und unentschlossen vor sich hin, auf einen Höhepunkt abzielend, der nie wirklich kommt. Einzig die drei Hauptdarstellerinnen (ganz besonders die phänomenale Elle Fanning) und die fabelhaften Szenen aus dem Wunderland verleihen dem Film etwas Rätselhaft-Spannendes, das mensch gern verfolgt.

3 Zimmer/Küche/Bad: Acht Freunde, zig Umzüge durch die halbe Republik, noch mehr Wohnungen, Affären, Beziehungswirren und Partnerwechsel, das einem ganz schummrig wird. Obwohl der Film etwas schneller hätte in Gang kommen können, einiges zu klischeehaft und nervig anmutete und es auch ein paar Wendungen weniger getan hätten, war das doch amüsantes deutsches Kino mit etlichen richtig guten Ideen.

Splice: Ein junges Genetikerpärchen konstruiert Mischwesen aus tierischer und pflanzlicher DNA zur Gewinnung verschiedener Medikamente. Als die beiden auch menschliche Erbinformationen in ihr „Produkt“ einschleusen, erwächst daraus eine Kreatur, die sich zunehmend der Einflussnahme ihrer Schöpfer entzieht. Diese moderne Frankenstein-Variante verstört mit surrealer Tragik, Science-Fiction, Horror- und Familiendrama verschmelzen zu einer bedrohlichen Vision psychischer Untiefen und gipfeln in einem reichlich überzogenen, albernen Finale. Guckbar.

Global Metal: Im Nachfolger von Metal: A Headbanger’s Journey untersucht der Anthropologe Sam Dunn die Transformation des Heavy Metal durch verschiedene Kulturen in Südamerika, Asien und dem Nahen Osten. Besonders faszinierend war für mich die Realität der Metal-Fans in den besuchten Staaten: Metal als Ausdruck von Rebellion gegen Konsum, Korruption, Unterdrückung und Gewalt, als ein Vehikel für Individualismus und Zusammengehörigkeitsgefühl gleichermaßen. Sehr erhellend.

(Fotos: Alexa Karolinski und Focus Features)