Bewegtbilder 2012: Kurzkritiken (2)

Teil 1 der Kurzkritiken gibt’s hier.

The Avengers: Schlagkräftige Truppe von Superhelden (Iron Man! Bruce Banner alias Hulk! Captain America! Thor!) kämpft gegen die Invasion einer außerirdischen Streitmacht, angeführt vom sardonisch grinsenden Bösewicht Loki (mein heimlicher Favorit). Erwartungsgemäß kracht es dabei ganz ordentlich, zunächst allerdings zwischen den Heroen, die sich wunderbar selbstironisch nicht nur markige Sprüche um die Ohren hauen. Ein imposantes Action-Spektakel in schönstem Hollywood-Stil, das sogar seinen Nebenfiguren ausreichend Platz für Emotion und Komik bietet.

Iron Man: Weil ich von den Avengers so angetan war, sah ich mir kurz darauf einen der zum Marvel-Universum gehörenden Vorfilme an, der mit einer sympathischen Geschichte um die Wandlung eines genialen Waffenproduzenten zum Wohltäter (gespielt vom umwerfend sarkastischen Robert Downey Jr.) und jeder Menge Special-Effects-Action aufwartet. Kurzweilig, aber der geballte Superhelden-Spaß gefiel mir doch besser.

My week with Marilyn: Uni-Absolvent heuert am Set des Monroe-Streifens „Der Prinz und die Tänzerin“ an. Die Ehe der permanent mit sich unzufriedenen, innerlich zerrissenen Diva kriselt, der Dreh ist schwierig, sie fühlt sich von dem unkomplizierten, jungen Mann zunehmend hingezogen und offenbart Teile ihrer Persönlichkeit. Viel mehr als Michelle Williams halbwegs überzeugende Interpretation der berühmten Hollywood-Schauspielerin blieb mir nicht in Erinnerung. War nicht doll.

Detachment: Bindungsunfähiger Aushilfslehrer trifft auf minderjährige Prostituierte, gemobbte Schülerin und desillusionierte Kollegen. Hätte sich der Regisseur, offenbar in der alleinigen Absicht, den Zuschauer in tiefste Verzweiflung zu stürzen, weniger auf das schier endlos scheinende Leid seiner Figuren konzentriert, wäre das zentrale Thema – das amerikanische Schulsystem – möglicherweise nicht komplett an mir vorbeigegangen. So bebildert das Drama in einer merkwürdigen Mischung aus Dokumentation und Selbstporträt, durchsetzt mit hippen Stilelementen, die Hoffnungslosigkeit der Charaktere, die Unerträglichkeit des Seins. Ganz fieser Film, der keinen hässlichen Abgrund, keinen erhobenen Zeigefinger und keine Chance zu übertriebenen Gesten auslässt.

Adrien Brody in Detachment

The Rum Diary: Dem bigotten Amerika des Jahres 1959 überdrüssig, flüchtet Schreiberling Paul nach Puerto Rico, wo er sich bald zwischen versoffenem Müßiggang und investigativem Journalismus entscheiden muss. Weit weniger abgedrehte Charaktere als erhofft und maue Story, die erstaunlicherweise am besten funktioniert, wenn eigentlich gar nichts passiert. Egal, ich hab Johnny Depp gesehen.

The Dark Knight Rises: Terrorist Bane droht mit der Vernichtung Gothams und zwingt Bruce Wayne zur Rückkehr aus dem Ruhestand. Noch immer düster, wenn auch kaum mehr bedrückend, audiovisuell grandios, brilliant gespielt – Christian Bales Batman ist erneut über jeden Zweifel erhaben – aber, oh nein, die Story! Trieft wie schon Batman Begins vor emotionalem Kitsch und verhagelt den Gesamteindruck durch vorgetäuschten Tiefgang. Außerdem fehlt der Joker. Kurzum: Hält dem Vergleich zum Vorgänger nicht stand.

Babel: Der Episodenfilm verknüpft einigermaßen lose und etwas konstruiert vier Geschichten von Menschen aus vier Kulturen. Er zeigt das Fremde, das abstrakte Andere, die Schwierigkeit der Kommunikation und den Schmerz, in dem sich alle Menschen gleichen. Mitreißend erzählt, verdeutlicht der Film genau das, was mich an der Menschheit so wahnsinnig macht: ihr Mangel an Empathie und Verständnis. Angucken!

Starbuck: Eine irrwitzige, rührende, zauberhafte Geschichte über einen prototypischen Verlierertypen, der sich auf ganz eigene Weise damit anfreundet, der Vater von 533 (!!) Kindern zu sein. Sympathische Figuren, wunderbare Musik, originelle Ideen und ein sehr überzeugender Hauptdarsteller. Leider mit einer Fleischerei in wichtiger Nebenrolle.

Aus dem herrlichen Score:

Das Schwein von Gaza: Unglückseliger palästinensischer Fischer fängt neben allerlei Unrat einen Eber, dessen Sperma er nach einigen vergeblichen Versuchen, das unreine Tier loszuwerden, an eine jüdische Siedlerin verkauft. Klingt leider deutlich amüsanter als sich diese ungewöhnliche Form der Völkerverständigung guckte. Zu Beginn furchtbar zäh, nimmt der Film allerdings zunehmend Fahrt auf, der Humor wird schwärzer und die Gags sitzen besser. Ein interessantes Porträt nahöstlicher Realität, insgesamt allerdings zu platt, um wirklich Eindruck zu machen.

(Foto: Tribeca Film)