Bewegtbilder 2012: Kurzkritiken (1)

Es war ein filmreiches Jahr: 13 Filme auf der heimischen Couch, im Flugzeug und im Kreise der Kollegen, 38 Filme im Kino, 25 davon beim Fantasy Filmfest (die Kritiken dazu gibt’s hier, hier, hier, hier und hier). Dazu kommen ungezählte Kurzfilme.

Jane Eyre: Eine Verfilmung des Klassikers von Charlotte Brontë, den ich zugegebenermaßen nie gelesen habe. Trotzdem hatte ich hin und wieder den Eindruck, mir entgingen einige Details. Abgesehen vom etwas überdrehten Ende mochte ich den Film jedoch sehr. Überzeugende Schauspieler, atmosphärische Bilder des feucht-kalten England und eine Frau, die mit spitzer Zunge gegen die Zwänge ihrer Zeit aufbegehrt.

Blue Valentine: Ein befremdlicher Film über das langsame Zerbrechen der Ehe eines jungen Paares. Nüchtern, direkt, ehrlich. Leider konnte ich mich weder mit den Charakteren noch deren Verhalten identifizieren. Schon die Umstände ihres Kennenlernens wirkten eigenartig, ebenso der unreife Umgang miteinander, ihre emotionale Kälte und seine verqueren Versuche, die Beziehung zu retten. Irgendwie wollte das alles nicht recht zusammenpassen. Enttäuschend.

The Artist: Die Geschichte eines gefeierten Stummfilm-Schauspielers, dessen Ruhm mit dem Aufkommen der „Talkies“ unweigerlich verblasst, während eine eben entdeckte Statistin den Olymp der Leinwandstars erklimmt. Dank brilliantem Spiel (allen voran der charmante Jean Dujardin), tollem Score und klassischen Zwischentiteln besticht der Film beinahe gänzlich ohne Sprache, die grandiose Ausstattung und die ästhetischen Schwarz-Weiß-Bilder lassen eine vergangene Ära auferstehen. Eine bezaubernde, augenzwinkernde Hommage an den Stummfilm. (Die kuschelige Plüschatmosphäre der Astor Film Lounge war am Gesamteindruck sicher nicht ganz unbeteiligt.)

¡Vivan las Antipodas!: Als Gegenpole oder Antipoden werden zwei Punkte bezeichnet, die durch eine gerade Linie mitten durch den Erdball verbunden sind. Die meisten Punkte haben ihren Gegenpol im Wasser, vier der wenigen Antipoden-Paare auf Land zeigt der Film: zwei Brüder im klaren, argentinischen Sonnenuntergang und Fahrradfahrer in der Rush Hour Shanghais, die beeindruckende Schönheit der sibirischen Natur und Kondore in chilenischer Abgeschiedenheit, eine Dorfgemeinschaft in Botswana und glühende Lava auf Hawaii, einen sehr lebendigen, spanischen Felsbrocken und den Rettungsversuch eines gestrandeten Wales in Neuseeland. Wunderschöne Bilder, ein sehr langsamer Film.

Vivan las Antipodas - Fliegender Kondor in Patagonien, Chile

The Tourist: Der amerikanische Mathelehrer Frank trifft im Zug nach Venedig die attraktive Elise und sieht sich wenig später von russischen Gangstern und der Polizei verfolgt. Ein nicht übermäßig kurzweiliges, jedoch außerordentlich wirres Katz-und-Maus-Spiel, das lediglich von schönen Bildern und den beiden sehenswerten Hauptdarstellern über Wasser gehalten wird.

Iron Sky: Nicht eben subtiler Humor, übertrieben stereotype Charaktere und eine völlig absurde Handlung, die an allen Ecken borgt. Genau das habe ich von einem Film erwartet, der sich mit dem Satz „Nazis auf dem Mond“ zusammenfassen lässt. Ich hatte selten mehr Spaß im Kino, zum Brüllen komisch! Definitiv einer der besten Filme des letzten Jahres.

Iron Sky - Nazis im Gespräch

Ziemlich beste Freunde: Erfrischend unsentimental erzählt die Tragikomödie von der Freundschaft zweier ungleicher Männer: dem unmotivierten Sozialhilfeempfänger Driss und dem querschnittsgelähmten Adeligen Philippe, der den vorlauten Kerl kurzerhand als Pfleger einstellt. Der Film überzeugt nicht nur durch die auf wahren Begebenheiten beruhende, authentisch inszenierte Geschichte sondern vor allem durch die perfekt harmonierenden Darsteller, denen ich jede Geste und Gefühlsregung abkaufte. Ein wundervoller, zutiefst berührender Film, der sowohl die ernsten als auch die leichten Momente im Leben der beiden Hauptfiguren ungeschönt auf die Leinwand bringt.

Best Exotic Marigold Hotel: Sieben britische Rentner reisen ins schillernde Indien, um im titelgebenden Hotel ihren Lebensabend zu verbringen. Sieben Geschichten, die ziemlich berechenbar an allen Klischees vorbeischrammen, präsentiert von herausragenden Schauspielern. Warm, amüsant, sympathisch, lebendig – kurz: gut für die Seele.

(Fotos: ma.ja.de filmproduktions GmbH und Blind Spot Pictures)