Fantasy Filmfest 2012: Kurzkritiken (5)

Der letzte, wenn auch verspätete, Schwung an Kurzkritiken zum 26. Fantasy Filmfest. Meine Lieblinge dieses eher durchschnittlichen Jahres, dem sowohl die großen Meisterwerke als auch die echten Gurken fehlten: The Hidden Face, The Baytown Outlaws, Black Out, Violet & Daisy und Game Of Werewolves. Sortiert nach ausgelöster Begeisterung.

Cleanskin: Geheimdienstagent Ewan soll einen ansehnlichen Vorrat gestohlenen Plastiksprengstoffs und die dazugehörige Terrorzelle aufspüren, bevor eine weitere Bombe in Londons Innenstadt explodiert. Die Motivation des desillusionierten Einzelgängers ist persönlicher Natur, seine Methoden sind so radikal wie die seines Gegenspielers Ash. Dessen Wandlung vom gesellschaftlich integrierten muslimischen Studenten britischer Herkunft zum religiösen Extremisten wird so eindringlich geschildert, dass sie beinahe zwangsläufig scheint. Ein unterhaltsamer, solider Thriller, der von der Glaubwürdigkeit seiner Charaktere und dem aktuellen, paranoiden Rahmen profitiert, allein die eingebaute Verschwörungstheorie wirkt etwas lieblos und arg konstruiert.

The Hidden Face: Nur ein digitaler Abschiedsgruß bleibt dem erfolgreichen Dirigenten Adrián von seiner Freundin Belén, als diese ihn vollkommen unerwartet verlässt. Doch der attraktive Schwerenöter trauert nicht lange, bald zieht Kellnerin Fabiana in seine abgelegene Villa. Einzig die polizeilichen Ermittlungen aufgrund des spurlosen Verschwindens der Ex und einige geisterhafte Tücken des alten Hauses stören das traute Zusammenleben. Der vom Trailer – auf keinen Fall ansehen! – unverspoilte Zuschauer dürfte vom folgenden Perspektivwechsel angemessen überrascht sein, ich hatte trotz Vorwissens keine Idee, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Selten sah ich einen derart geschickt aufgebauten, spannungsgeladenen Thriller, der sich zudem der seit einigen Jahren hartnäckig haltenden Mode des überflüssigen Plottwists entzieht. Absolute Empfehlung, einer meiner diesjährigen Top-Favoriten.

God Bless America: Dem geschiedenen, unheilbar kranken und nun auch noch arbeitslosen Mittvierziger Frank brennen die Sicherungen durch – er tut, wovor die meisten Menschen zurückschrecken und schafft sich den minderbemittelten, mediengeilen, dekadenten Abschaum genauso vom Hals wie er religiöse und rassistische Fanatiker über den Haufen schießt. Wie schon in Super wütet der Hauptdarsteller nicht allein durchs Land, sondern wird von einer ernsthaft gestörten (und massiv nervenden) Teenagerin in seinem Bemühen, ignorante Andersdenkende vom Erdboden zu tilgen, unterstützt. Glücklicherweise gibt es derer Parallelen nicht allzu viele, so unerträglich überspitzt wie „Super“ so erschreckend nah an der Realität ist „God Bless America“. Amüsant, zynisch, jedoch widersinnigerweise extrem arm an Polizeipräsenz.

A Gang Story: Edmond „Momon“ Vidal, pensionierter Anführer einer in den 70ern berüchtigten Räuberbande, wird von der Vergangenheit und alten Verbindlichkeiten eingeholt als Busenkumpel Serge wegen Drogenhandels verhaftet wird. Dessen Befreiung endet, jugendlichen Hitzköpfen überlassen, in einem Blutbad – neben dem von Serge betrogenen Gangsterboss klebt nun auch noch die Polizei an ihren Fersen. In zahlreichen Rückblenden erzählt der Film vom Aufstieg aus einem armenischen Flüchtlingslager in die organisierte Kriminalität, von Ganovenehre und einem Verhaltenskodex, dem sich nur fiktive Verbrecher verpflichtet fühlen. Neuerungen sollte man nicht erwarten, charismatische Darsteller und die vom französischen Kino gewohnten Bilder dagegen schon. Guckbar.

Cockneys vs Zombies: Gerade als der zur Rettung des großväterlichen Altenheims durchgeführte, aber gründlich in die Hosen gegangene, Banküberfall die größte Sorge der Brüder Andy und Terry darstellt, wird die britische Hauptstadt mal wieder von Zombies heimgesucht. Ganz im Stile klassischer Zombiestreifen arrangieren sich einige Bedrohte im Kampf gegen die Untoten, nur die Beteiligung von Senioren ist neu und irre komisch. Diese erweisen sich denn auch als ausgesprochen wehrhaft, allen voran Alan Ford als Ray Macguire, an seiner Seite (die noch immer wundervolle) Honor Blackman als Peggy. Eine spaßige, wenn auch nicht übermäßig innovative Variante des Untotenfilms, die man wegen des typischen Londoner Dialekts unbedingt in der Originalfassung schauen sollte.

The Baytown Outlaws: Die drei Oodie-Brüder – Rednecks wie sie stereotyper nicht sein könnten: dreckig, rotzig und völlig asozial – werden für eine ordentliche Summe Geldes angeheuert, den vom psychopathischen und grässlich kriminellen Ex-Mann (natürlich: Billy Bob Thornton) entführten Patensohn ihrer Auftraggeberin Celeste zu befreien. Unglücklicherweise versäumen die Südstaatler, dem cholerischen Gangster beizeiten das Licht auszupusten und werden fortan von einer Meute blutrünstiger Assassinen gejagt. Ausgerechnet jetzt entwickelt Bundesagent Reese („Vampire Diaries“-Schönling Paul Wesley als herrlich gelackter Gegenentwurf zu den versifften Antihelden) ernsthafte Zweifel an der Arbeitsweise Sheriff Millards, der die schießwütigen Brüder mehr als einmal zur Beseitigung unliebsamen Abschaums engagierte. Beste Voraussetzungen für einen krachenden, vor Referenzen strotzenden Exploitationfilm, der die schrillen Nebendarsteller gnadenlos verheizt. Allein die rührseligen Momente mit dem behinderten Patensohn Rob wirken etwas deplatziert in diesem überaus vergnüglichen Höllenritt. Ein würdiger Abschluss des #FFF26.