Analoge Digitalfotografen: Das Ergebnis

Im Frühjahr berichtete ich von einem Projekt namens Analoge Digitalfotografen: Paare von Fotografen fanden sich hierfür zusammen, um ein Motiv zunächst digital abzulichten und dann das des jeweils anderen in altmodischer Weise auf Film zu bannen. Herr Skorna und ich reizten die Abgabefristen gnadenlos aus, aber wir lieferten.

Mein fotografischer Partner begab sich zu diesem Zweck ins historische Weißenseer Munizipalviertel, eine nicht nur architektonisch sehr hübsche Gegend, um direkt neben dem Kreuzpfuhl diesen Altbau auf die Speicherkarte zu bringen. Die dafür gewählte Perspektive zwang mich mit der Nase in den Staub, andernfalls hätte ich nicht durch den Sucher der großväterlichen Perfekta schauen und meine Version des Motivs aufnehmen können. Mit dem Ergebnis bin ich nur bedingt zufrieden.

Maik Skorna - Berlin Weißensee, digitalMarén Lenk - Berlin Weißensee, analog

Ich bewegte mich für mein Objekt zwar nur ein paar Häuserblöcke die Frankfurter Allee hinunter, die Gegend ist allerdings geschichtsträchtig. Die fotografierte Uhr ist Teil der Stalinbauten, die dem SED-Regime als Vorzeigeobjekt dienen sollten. Die damalige Politik zum beschleunigten Aufbau des Sozialismus hatte derart heftige Normerhöhungen und Versorgungsengpässe zur Folge, dass sich die Arbeiter zweier Berliner Großbaustellen – eine davon war die in der Stalinallee – im Juni 1953 dagegen erhoben. Ihr Protest erfasste hunderte Betriebe in der gesamten DDR und wurde blutig niedergeschlagen.

Marén Lenk - Berlin Friedrichshain, digitalMaik Skorna - Berlin Friedrichshain, analog

Christian Steinkrüger zauberte aus allen Projektbeiträgen ein Buch, das in niedriger Auflösung angeschaut werden kann. Das richtig echte Buch zum Anfassen lässt sich für 30,99 Euro bestellen, bei Angabe des Codes „FANS“ gibt es außerdem 20 Prozent Rabatt (ich hoffe, das Angebot gilt noch). Auch eine PDF-Version ist verfügbar, welche ich gern zum Download angeboten hätte. Leider äußerten sich einige der übrigen Teilnehmer aus mir unerfindlichen Gründen dagegen. Denn: An diesem Projekt verdient niemand, weder die Fotografen noch Herr Steinkrüger selbst, und doch sollen Interessierte für eine digitale Version des Ergebnisses zahlen. Irgendwann unterwegs scheinen Begehrlichkeiten entstanden zu sein, die gegen eine freie Zurschaustellung der Bilder sprechen. So werfe dem Hoster des Buches 2,99 Euro in den Rachen, wer in den Besitz des eBooks im Apple-tauglichen iBooks-Format gelangen möchte.

Herr Steinkrüger ackert derweil emsig weiter und versucht, das Projekt bei einigen Fachzeitschriften bekannt zu machen. An dieser Stelle besten Dank für Deinen Einsatz, Christian! Ich hoffe, das Projekt und vor allem Du als Initiator bekommen die Aufmerksamkeit und Möglichkeiten für zukünftige Unternehmungen, die Du Dir wünschst.

Natürlich hat sich auch Herr Steinkrüger abschließend zur Aktion geäußert. Leider teile ich seine Begeisterung und die vieler Teilnehmer nur teilweise. Die Idee halte ich noch immer für großartig, es sind einige wirklich tolle Bilder entstanden, bei denen die Gegenüberstellung von Aufnahmetechniken und Motiven prima funktioniert hat. Andere Bilder wiederum treffen meinen Geschmack nicht oder sind gar technisch schlecht gemacht, etwas geschockt war ich von den Ergebnissen einiger professioneller Fotografen. Ganz ehrlich: Ich hatte mehr erwartet. Beeindruckendere Aufnahmen, großartigere Motive, kreativere Einfälle, wildere Perspektiven.

Trotzdem: Ich habe gelernt. Wie die alte Kamera meines Opis funktioniert, wie man den Film einlegt, ohne Belichtungsmesser fotografiert und am Nachbearbeiten komplett scheitert. Dass man sich stundenlang über stürzende Linien aufregen und auch hier an der Korrektur scheitern kann. Ich bin unschlüssig, ob ich noch mal bei einem solchen Projekt mitmachen würde. Vorher müssten wohl einige Details geklärt sein.