Vegan Tryout: Tag 15 – Fazit

Liebe Leser, noch immer bin ich Ihnen ein abschließendes Fazit zu meiner im Mai begonnenen, fünfzehntägigen veganen Testreihe schuldig. Die Berichterstattung hatten wir uns wohl alle etwas flüssiger vorgestellt, einige von Ihnen fürchteten gar, ich hätte nur tageweise vegan gelebt und wäre ansonsten meinem vorherigen Lebensstil verfallen. Mitnichten! Der ursächlichen Schreibfaulheit ist es allerdings zu verdanken, dass der Versuch niemals endete. Beinahe fünf Monate vegan!

An sechs Tagen die Woche.

Der siebente manifestiert sich derzeit als Sammlung ungeliebter Ausnahmen: außerhäusig genossene Alkoholitäten und Säfte, pflanzlicher Leberkäse mit Eiklar, Parmesan im von Mami kredenzten Kürbisrisotto, versteckter Frischkäse im vegetarischen Sushi, gelegentlich verwendeter Honigsenf, zu verbrauchende Prä-Veganismus-Speisekammervorräte, Milchprodukte im Chicoréeauflauf. Das ist kein Dauerzustand. Einzig für den Genuß der besten Käsetorte, die je meinen Ofen verlassen hat, würde ich mieses Karma willentlich riskieren. Noch ist das reine Theorie.

An den Kaffee mit Sojamilch habe ich mich wider Erwarten sehr schnell gewöhnt, den Käse auf meinen Aufläufen vermisse ich jedoch so schmerzlich wie am Anfang. Weder Mondkäse noch Hefeschmelz erwiesen sich als brauchbarer Ersatz. (Ernsthaft, Hefeschmelz? Das Zeug schmeckt frisch angerührt noch einigermaßen herzhaft, aus dem Ofen dann oben wie Keks und drunter wie geschmolzener Autoreifen.) Ähnlich unbefriedigend gestaltet sich das glutenfreie Backen ohne Eier, mit den Erzeugnissen war ich bislang kaum zufrieden. Als Zöliakiste ist man bissfestere Backwerke ja irgendwie gewöhnt, aber Muffins haben verdammt noch mal fluffig zu sein! An die ganzen Kuchen, die ich auf althergebrachte Weise nicht mehr backen darf will und auch schwerlich imitieren kann, mag ich gar nicht denken. Käse und Kuchen, das sind die wahren Opfer, die ich bringe.

Und auswärts essen. Das war mit Zöliakie schon schwierig, jetzt ist es anstrengend. Dabei mangelt es weder an brauchbaren veganen Restaurants und Imbissen noch am Angebot für Allergiker, lediglich die Kombination scheint problematisch und ist seltener zu finden. Einmal ausgekundschaftete und für geeignet befundene Lokalitäten trage ich daher in eine Karte ein. (Und freue mich über jeden Hinweis, der diese erweitert, korrigiert oder anderweitig verbessert.) Seither lerne ich ständig neue Läden kennen, auch außerhalb meines Kiezes.

Soviel zur Ernährung. Bliebe der ganze Rest: Accessoires und Klamotten, vor allem aber Schuhe, für die kein Tier Haut und Haar lassen musste, sind zum einen spärlich gesät, zum anderen oft hässlich. Hier und dort wurde ich fündig, habe das Thema, da ich sehr ungern einkaufen gehe, bisher allerdings eher stiefmütterlich behandelt. Bereits vorhandene Staffage aus Leder und Wolle habe ich übrigens wegen Unsinnigkeit nicht entsorgt. Der Erwerb veganer Kosmetik, die zudem nicht an Tieren getestet wurde, gestaltet sich erfreulicherweise leichter, derartige Produkte werden inzwischen von vielen Drogerien und Supermärkten geführt. Sehr zu empfehlen ist Blanc et Noirs Auflistung zu diesem Thema.

Weil mir tierfreundlicheres Konsumieren nicht genug war, habe ich mich in den letzten Monaten außerdem am aktiven Tierschutz beteiligt: Unterschriften gegen die Massentierhaltung gesammelt, auf der Veggie Parade mitgelaufen, gegen den Ausbau eines der größten Tierversuchslabors Deutschlands protestiert und auf dem Vegan-Vegetarischen Sommerfest geackert. Endlich mal nicht der Exot zu sein und auf Gleichgesinnte zu treffen, war extrem motivierend, innerhalb dieser kleinen Tierschutzblase hatte ich das Gefühl, es geht wirklich vorwärts. Mach ich wieder.

Und insgesamt? Mach ich weiter, nur noch etwas veganer.