Fantasy Filmfest 2012: Kurzkritiken (3)

Violet & Daisy: Trotz ihres geplanten Urlaubs nehmen die beiden jugendlichen Profikillerinnen Violet und Daisy (absolut bezaubernd: Saoirse Ronan) einen Auftrag an – irgendwie müssen die neuen Barbie-Sunday-Kleider schließlich bezahlt werden. Leider geht der Job nicht ganz so spielend von der Hand wie geplant, denn das Opfer erweist sich als ruhiger, sympathischer, von Gewissensbissen geplagter Mensch, der den chronisch munitionsarmen Mädels auch noch als Todgeweihter Kekse serviert. Plötzlich schleicht sich die oft verdrängte Realität an die vermeintlich unbeschwerten Existenzen, Melancholie wird durchsetzt von bizarrer Komik, wundervoll romantisch-verspielten Bildern und traumhafter Musik. Schöner Film.

Piranha 3DD: Nachdem prähistorische Piranhas im Vorgängerstreifen feierwütige Studenten am Lake Victoria verspeisten, migrieren sie nun unter Ausnutzung günstiger Umstände in ein frisch eröffnetes Wasserparadies. Schmieriger Eigentümer, heldenhafte Meeresbiologin, angeknabberte Gliedmaßen, ebenso leicht bekleidete wie üppige Damen, Sex mit Todesfolge, Fäkalhumor unterster Schublade – ganz üble Standardware, die weder als selbstironische Parodie noch als echter Trash taugt. Das reißen auch Christopher Lloyd und David Hasselhoff nicht raus, obwohl letzterer tatsächlich für einige Lacher sorgte.

The Suicide Shop – 3D: In einer grauen, freudlosen Stadt versprüht allein das Geschäft der Familie Tuvache einen warmen Schimmer auf Hoffnung. Gemäß der makabren Maxime „Your life is a failure, make your death a success!“ verkaufen die vier zutiefst Deprimierten ihren gleichsam trübsinnigen Kunden alles, was deren Hinscheiden zu einem sicheren Ereignis macht. Unseligerweise möchte der ständig grinsende, jüngste Sproß der Familie Freude in den tristen Alltag der Menschen und vor allem seiner Angehörigen bringen. Sein dementsprechend entwickelter Plan schien mir etwas radikal, das wenig eingängige Gesinge nervte bald und die Story erwies sich auf Dauer leider als zu dünn. Sehr schade, denn die Welt ist wunderbar gezeichnet, die Figuren sind reizend und sogar die 3D-Effekte passend.

Ace Attorney: Der unerfahrene Strafverteidiger Phoenix Wright stolpert von seinem ersten großen Gerichtsprozess direkt in einen seit fünfzehn Jahren ungelösten Mordfall, den er nach altehrwürdiger Justizserienmanier höchstselbst investigiert. So stürzt die Geschichte in realweltlicher Manga-Optik von einem hervorgezauberten Beweisstück zum nächsten, amüsiert mit allerlei Skurrilitäten, steampunkigen Sci-Fi-Elementen und schrillen Frisuren Figuren, um sich in einer wilden Konstruktion zu verirren, der ich schon nach der ersten Stunde nicht mehr zu folgen imstande war. Irgendwie gut, irgendwie aber auch nicht.

Get Shorty: Die Perlen der diesjährigen Kurzfilmrolle (meine allererste überhaupt). Luminaris erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich aus seiner vom Sonnenlicht kontrollierten Welt befreien möchte. Gefilmt in Stop-Motion mit echten Schauspielern, untermalt von einem argentinischen Tango, könnte dieses kleine Stück Filmkunst nicht hinreißender sein. In Sugar provoziert die Bitte um eine Tasse Zucker eine fatale Kausalkette. Niederländisch schwarz! Ein Typ im Werwolfkostüm versucht die Polizei von seiner Unschuld am Tod zweier Camper zu überzeugen – The Furred Man ist zum Heulen komisch. Außerdem erwähnenswert: The Trap und Tune For Two.