Fantasy Filmfest 2012: Kurzkritiken (2)

Game Of Werewolves: Tomás kehrt nach Jahren auf Einladung der Ortsansässigen ins Dorf seiner Kindheit zurück, um sich für sein eher mäßiges schriftstellerisches Werk ehren zu lassen. Leider erweist sich die Preisverleihung als Finte der wunderlichen Einwohner – über dem abgeschiedenen Arga liegt ein hundert Jahre alter Fluch, den nur Tomás brechen kann. Ließ sich der Film bis zu diesem Punkt etwas zuviel Zeit, gleicht er dies nun mehrfach aus: sorgsam gebastelte Werwolf-Kostüme, noch abgedrehtere Charaktere – zum Beispiel der dienstbeflissene Polizist, der unseren Helden mit ausgesprochen unkonventionellen Methoden zur Seite springt – morbide Gags und groteske Ideen am laufenden Band. Schwarzer Humor in Bestform, genau so hatte ich mir spanisches Werwolf-Kino vorgestellt.

Grabbers: Seltsam geht es zu auf Erin Island – aufgeschlitzte Wale stranden, Einheimische werden geköpft und der diensthabende Polizist Ciarán O’Shea säuft wie ein Loch. Kein Spaziergang für die übereifrige Garda Lisa Nolan, die ihre zweiwöchige Urlaubsvertretung mit außerirdischen Tentakelschwingern und absolut überlebensnotwendigen Saufgelagen im Kreise der kauzigen Inselbewohner verbringen muss. Urkomische Sprüche, eigenwillige Charaktere und viel, viel Alkohol: Irischer lässt sich ein Alien-Problem kaum lösen. Sehenswert.

Sightseers: Trotz des wiederholten und ausdrücklichen Protests ihrer schrullig-gehässigen Mutter begleitet Mittdreißigerin Tina ihren neuen Freund Chris auf einen präzise geplanten Roadtrip durch Yorkshire – nicht ahnend, dass Straßenbahn- und Bleistiftmuseum, steinige Kulturdenkmäler und die raue Natur des britischen Nordens ebenso zu Chris Welt gehören wie der ein oder andere in einem cholerischen Anfall erschlagene Störenfried. Eine Charakterschwäche, die die einsame Frau mit der selbstgehäkelten Reizwäsche nicht wirklich abzuschrecken vermag – und die Zuschauer mit völlig absurden Situationen auf typisch britische Art konfrontiert. Kein Glanzstück, aber trotz übertrieben unsympathischer Figuren und gelegentlicher Längen eine solide erzählte, boshafte Komödie.

Thale: Leo und Elvis werden in ihrer Funktion als Mitarbeiter des „No Shit Cleaning Services“ zu einem abgelegenen Haus in den norwegischen Wäldern geschickt, um die Überreste eines alten Mannes zu beseitigen. Im Keller des Hauses finden sie neben verrottenden Konservendosen und einem verstaubten Kassettenspieler eine junge, verstörte Frau, deren Geheimnis sich aufgrund alter Tonbandaufzeichnungen und wenig subtiler Hinweise zu schnell entschlüsselt, um die Spannung des ersten Drittels aufrechtzuerhalten. Was der Story fehlt, vermögen der unsagbar stoische Leo (grandios!) und die knochentrockenen Dialoge mit Kumpel Elvis zwar nicht auszugleichen, lohnen aber immerhin die Betrachtung dieses Potpourris aus Fantasy, Gruselgeschichte, norwegischer Sagenerzählung und Buddie-Movie.

Noobz: Vier Gamer machen sich auf den Weg zum Cyberbowl in Los Angeles, um den Meistertitel für „Gears of War“ und das nicht unwesentliche Preisgeld abzusahnen. Neben einer konstruiert wirkenden Familienzusammenführung, einer zum Scheitern verurteilten Liebesgeschichte und den üblichen Verwicklungen bedient der Film selbstverständlich auch das Paradeklischee des Zockerlebens: Jämmerliche Verlierertypen, deren Dasein außerhalb des Spiels kaum langweiliger sein könnte, foltern so ziemlich jede humorige Einlage zu Tode. Größtenteils platt und vorhersehbar, langatmig und definitiv nicht nerdig genug taugt dieses Erzeugnis maximal zur Hintergrundberieselung an einem verregneten Sonntagnachmittag.