Fantasy Filmfest 2012: Kurzkritiken (1)

Eva: Im Jahr 2041 – Roboter gehören inzwischen zum menschlichen Alltag – kehrt Kybernetikdesigner Alex an seine Universität zurück, um die Emotionskontrollsoftware des ersten selbstbestimmten Androiden zu entwerfen. Als Vorlage für eine außergewöhnliche Persönlichkeit dient ihm Eva, die Tochter seines Bruders und Alex alter Liebe Lana. Warum Lana ihr Kind nicht für die Arbeit am Prototypen hergeben will, beginnt der Zuschauer früh zu ahnen, die aufgebaute Spannung kulminiert jedoch nicht sondern plätschert einem eher unbefriedigenden Ende entgegen. Etwas Sci-Fi, einige ansehnliche Effekte, eine nette Geschichte, nicht zu emotional – insgesamt hübsch, aber leider nichts Besonderes.

Detention: Der Trailer verspricht eine schrille Teenie-Slasher-Komödie, serviert wird ein wilder Mischmasch altbekannter Ideen: Zeitreise, Apokalypse, Monstermutation, Körpertausch und der obligatorische in einer amerikanischen Schule meuchelnde Serienkiller. Der schlachtet sich allerdings sehr viel seltener durch die Teenies als erwartet und sorgt lediglich dafür, die zahllosen Referenzen auf die 90er zusammenzuhalten, deren schier endlose Aneinanderreihung einziger Sinn dieses Films zu sein scheint. Zunächst erfrischend ging mir die irrsinnig schnelle Schnittfolge bereits nach den Opening Credits mächtig auf die Nerven. Guckbar, aber anstrengend.

The Ghostmaker: Student Kyle findet beim Ausmisten im Haus einer alten Dame einen antiken Sarg, der sich bald als „Geistmaschine“ aus dem Mittelalter entpuppt, die Nahtoderfahrungen ermöglicht. Die Warnungen des befreundeten Schlaumeiers ignorierend mutiert Kyles Mitbewohner unter Benutzung der Maschine endgültig zum stalkenden Irren während der drogensüchtige Hauptdarsteller die sich nun bietenden Möglichkeiten nutzt, um sein Leben aufzuräumen. Obwohl der Regisseur unleugbar von „Hollow Man“ und „Flatliners“ borgte, wirkt dieses Machwerk nur wie der Pilot einer billig produzierten Privatsender-Gruselserie: unglaubwürdige Story, ätzende Dialoge, furchtbare Kamera und miese Schauspieler. Der bisherige Tiefpunkt des Fantasy Filmfests.

Brake: Jeremy Reins erwacht in einer engen Plastikbox, um ihn herum nur Dunkelheit, ein rot leuchtender Countdown und ein CB-Funkgerät, das den Kontakt zur Außenwelt ermöglicht. Bald erschließt sich unserem zähen Helden die ihm zugewiesene Rolle, die er erwartungsgemäß nicht zu spielen gedenkt. Spannender Thriller in High-Speed, der unglücklicherweise einmal zu oft twistet und einen etwas faden Nachgeschmack hinterlässt. Gegner des Torture-Horror seien beruhigt: Der sympathische Stephen Dorff wird zumindest körperlich nicht über die Maßen gequält.

Doomsday Book: Südkoreanischer Episodenfilm in drei Teilen über die Selbstzerstörung der Menschheit. In „Brave New World“ führt übermäßiger Fleischverzehr zur Zombie-Apokalypse – ein Szenario, dass ich selbstverständlich nur als Kritik an den Ernährungsgewohnheiten moderner Gesellschaften verstehen konnte. Wirklich widerlich, wirklich amüsant und sehr kurzweilig. „Heavenly Creature“ porträtiert einen erleuchteten Roboter, der den Mönchen seines Klosters und seinem vom Hersteller gesandten Eliminierungskommando die menschliche Natur erklärt. Schön gemacht, wenn auch nicht bahnbrechend neu. Im dritten Kapitel bestellt ein kleines Mädchen im Internet eine schwarze Billardkugel für ihren Vater, deren Lieferung an ihrem „Happy Birthday“ nur als grotesk zu bezeichnen ist. Abgedreht, fantastisch, humorig.