Vegan Tryout

Der Schritt vom vegetarischen zum veganen Leben braucht eigentlich nur logisches Denken. Kühe zum Beispiel geben wie alle anderen Säugetiere nicht permanent Milch: Sie werden wiederholt geschwängert, sie gebären. Die Milch, die ihren Kälbern zugedacht ist, nimmt man ihnen. Nach etwa vier Jahren sinkt die Milchleistung einer Kuh, sie wird geschlachtet. Den Hühnern geht es nicht besser. Ihnen wird durch Tricks mit dem Licht jahrein jahraus vorgegaukelt, es wäre Frühling, um ihren natürlichen Fortpflanzungstrieb auszunutzen. Ausgezehrt vom ständigen Eierlegen werden sie dann zu Hundefutter oder Instantgeflügelbrühe verarbeitet. Die männlichen Küken vergast man direkt nach der Geburt oder wirft sie in den Schredder. Schafen schneidet man ohne Betäubung große Hautstücke vom Hinterteil und für den puscheligen Pelzbesatz an Schuhen, Kragen und anderem Firelefanz werden in China Hunde, Füchse, Kaninchen, Marder und Katzen lebendig gehäutet und dann weggeworfen.

Aus meiner Sicht gibt es nur einen stringenten Schluss: Ist die omnivore Ernährung ethisch nicht vertretbar, dann sind es diese Praktiken genauso wenig.

Dummerweise lässt sich kulturelle und soziale Prägung nicht mühelos abschütteln, ich brauchte einen Tritt in den Hintern. Der kam mit dem Newsletter des Vegetarierbundes: Das Tierrechtsbündnis Berlin-Vegan rief die „Veganen Schnupperwochen“ aus – Vorträge, Workshops, Kochkurs und Shoppingtour im Kampf gegen Hemmungen und Vorurteile gegenüber der veganen Lebensweise. Zum Unkostenbeitrag von vierzig Euro sollte man zwei Wochen lang mit Informationen, Tipps, Tricks und nicht zuletzt veganem Essen rundum versorgt werden. Leider wurde die Aktion aus organisatorischen Gründen auf den Herbst verschoben.

Ich starte meine persönliche Versuchsreihe trotzdem, auf eigene Faust: Ab Montag ernähre ich mich vegan (und glutenfrei). Zwei Wochen lang. Ich will wissen, wie unbequem und kompliziert das vegane Leben wirklich ist. Meinen morgendlichen Kaffee ohne Milch kann ich mir derzeit schwerlich vorstellen, den Auflauf ohne Käse gleich gar nicht und die Herstellung glutenfreier Kuchenteige wird ohne die als Bindemittel fungierenden Eier sicher total easy. Wenigstens ist die Verwendung von Pelz (in welcher Form auch immer) für mich vollkommen indiskutabel. Auf Wolle lässt sich leicht verzichten, beim Leder wird es angesichts des handelsüblichen Angebots schon schwieriger. Aber wie sagte Frau Duve so treffend: Im Grunde stellt sich nur die Frage, was wir aus Rücksicht auf andere Geschöpfe zu opfern bereit sind.