Vegan Tryout: Tag 9

Einer dieser Tage: Die Kollegen nervten, die Kunden waren ungenießbar, der Weg zum und vom Büro nur schwer erträglich. Sogar das Tier hüppelte mit dem Ball nur träge über die Wiese. Ein Tag, an dem ich der Welt die Wohnungstür ins Gesicht schlagen und mich in die Ruhe meines Bettes verkrümeln wollte.

Lustlos grübelnd stand ich in der Küche, unschlüssig, ob ich ausreichend Hunger hätte, um meine Müdigkeit zu überwinden und Austernpilze in die Pfanne zu hauen. Hatte ich nicht. Stattdessen erinnerte ich mich an meine Studentenzeit und holte die Müslipackungen aus dem Schrank. Damals ernährte ich mich quasi ausschließlich von Müsli, Cornflakes und Nudeln mit Ketchup. Weil es schnell ging und kaum Geschirr dreckig machte. Nun also „Nuss Crunchy“ von Alnavit vereint mit „Crunch“ von Finax. Gepaart, weil ersteres pur um Längen zu süß ist. Das habe ich getestet, ungünstigerweise mit gesüßter Mandelmilch, und konnte mich nur schwer beherrschen, die Pampe nicht in hohem Bogen auszuspucken. Bah, wer will sowas? Die Verbraucher, deren Geschmackssinn durch Industriemüll derart abgestumpft ist, dass natürliche Lebensmittel als fad empfunden werden. Sogar die Spitzengastronomie soll dazu übergegangen sein, Speisen deutlich intensiver zu würzen. (Zu diesem Thema gibt es in den Weiten des deutschsprachigen Internets einen wunderbaren Artikel, den ich trotz intensiver Suche nicht wiederfinden konnte.)

Wie ich da so saß, vor meiner Schüssel in Sojamilch schwimmendem Industriekram aus der Tüte, und über die Lebensmittelindustrie sinnierte, fiel mein Blick auf das Etikett des Alnavit-Müslis: Vollmilchpulver. Großartig. Passte zum Tag.