Vegan Tryout: Tag 5

Die Gemüsekiste kam an, leider mit etwas drögem Inhalt: Der angekündigte Mangold fehlte, ebenso der Kohlrabi. Stattdessen gab’s zweimal Bataviasalat (Warenkunde bei Alnatura), Möhren, Pastinaken, ein Bund Radieschen und Austernpilze. Die zwei Liter Milch, die ich abzubestellen vergessen hatte, lagern jetzt eingefroren im frisch enteisten Tiefkühler. (Strom sparen und so.)

Der vorläufige Schlachtplan für die nächsten Tage: Everyday Green Chopped Salad, gebratene Austernpilze mit Tomaten-Zucchini-Ragout, Radieschen Taboulé und Falafel mit Sesam-Sojaghurt und Salat. Dafür reichte die Lieferung allerdings nicht. Einkaufen gehen also. Aber wieso gehen? Es war höchste Zeit, das Fahrrad aus dem Keller zurück ans Tageslicht zu holen. Gedacht, aufgepumpt und bei schönstem Wetter zur Bio Company geradelt. Ich mag diese Bioläden: Kein Gedrängel und Geschubse, Spezialprodukte, die man sonst schwer bekommt, freundliche und hilfsbereite Leute, die mit so ziemlich jeder Ernährungsungewöhnlichkeit klarkommen – sei es Veganismus oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wie die meine. Am Pinboard hinter der Kasse hängen Zettel, die den nächsten Yoga-Kurs ankündigen, Besuche im Seniorenheim anpreisen und die Massentierhaltung anprangern. In meinem Kiez mitten in der Großstadt erscheinen mir diese Läden wie kleine Oasen einer besseren Welt, ein bisschen wie die Tante-Emma-Läden meiner wohlbehüteten Kindheit. Eine Illusion, der ich mich zuweilen gern hingebe.

Obwohl ich gleich am Eingang auf Soja-, Hafer-, Reiskrams von Provamel stieß – Alpro ist überall. Ich griff zum einzigen Alternativprodukt: Sojamilch von Natumi, einem deutschen Hersteller von Pflanzendrinks, der 2004 von der amerikanischen Hain Celestial Group aufgekauft wurde, die ebenfalls Alternativprodukte herstellt. (Tiefergehend habe ich nicht recherchiert.) Weiter zum Obst und Gemüse: Avocados, Tomaten, eine Gurke, Zucchini. Und endlich ein neuer Topf Minze, der hoffentlich länger leben wird als der vorige. Die restliche Beute bestand aus Würstchen und bisher unprobierter Nahrung fürs nicht-menschliche Tier, Sojaghurt, Brotaufstrichen und – Achtung, holt die Kinder rein! – veganem Käse, der angeblich für Aufläufe geeignet ist: VegiBelle like White Cheese. Der dicke Mond auf der Packung riecht ja verdächtig nach Esoterik, aber eine Alternative gab es unglücklicherweise nicht.

Den Jamie-Oliver-Salat habe ich mitten in der Nacht noch zusammengefrickelt, mittags die Reste des Erbsen-Currys gefuttert. Läuft.