Vegan Tryout: Tag 3

Absoluter Luschentag: Ich hatte weder Lust zu kochen noch zu essen.

Zum Frühstück gab’s Bemme mit Brot und veganen Aufstrichen, den Resten der oberleckeren Orangenmarmelade aus mütterlicher Produktion und ähnlich köstlicher Stachelbeermarmelade, die ich vom Pferdeflüstern mitgebracht hatte. Außerdem ein winziger Rest Hummus aus der Bio Company, der leider Honig enthielt. Zum Abendbrot das Gleiche, allerdings ohne Hummus. Mittag fiel aus, stattdessen eine Tafel dunkle Schokolade mit Meersalzkrümeln. Danach war mir schlecht.

Diesmal habe ich übrigens keine Mandelmilch in den Kaffee gekippt, sondern Sojamilch in Bio-Qualität von Alpro. Blöd, dass ausgerechnet die nicht so furchtbar nach Soja und mir demzufolge recht gut schmeckt. Im Normalfall – und ich kann nicht genug betonen, welche Überwindung es mich gekostet hat, einen Schluck purer Sojamilch im Mund hin- und herzuwalken, um den passenden Begriff zu finden – mutet das Zeug an als würde man auf der Haut einer Nuss herumbeißen: (bestenfalls leicht) bitter. Kein Geschmack, den ich schätze. Glücklicherweise tobt sich die Bitternis an der Milch aus und nicht an meiner geschätzten Sojasahne oder gar am Tofu.

Zurück zum Honig, der seit zwei Tagen meine Testreihe unterwandert. Über seine vegane Legalität scheint sich die Szene zu streiten, wobei es wie so oft nur auf den persönlichen Standpunkt ankommt. (Obi-Wan spricht zu mir.) Die einen lehnen Honig als Tierprodukt prinzipiell ab, die anderen essen ihn, wenn sie den Imker und die Bienen persönlich kennen, wieder anderen stellt sich die Honigfrage gar nicht. Wäre ich permanenter Veganer, ich gehörte zur Sorte der kategorischen Verweigerer. Bienen ergeht es nicht besser als anderen „landwirtschaftlichen Nutztieren“ (Wie ich dieses Wort verabscheue!): Sie werden genetisch manipuliert, die Königinnen gezielt künstlich befruchtet, halbe Völker werden per Post um die Welt geschickt. Man hält sie in unnatürlich designten Stöcken, tausende Völker nebeneinander – das kann man wohl nur als Massenhaltung bezeichnen. Alte Königinnen werden vom Umzug in einen neuen Stock abgehalten, indem man ihnen die Flügel stutzt oder ausreißt, alternativ tötet man sie nach kurzer Zeit, um sie durch eine jüngere Königin zu ersetzen, die mehr Eier legt. Bienen dürfen auch nicht den von ihnen erzeugten Honig essen, man verabreicht ihnen ersatzweise eine billige Zuckerlösung.

Das sind nicht alle Argumente gegen die industrielle Bienenzucht (die Bestäubungsindustrie wartet mit weiteren Widerlichkeiten auf), für mich aber vollkommen ausreichend, um auf Bienenprodukte aller Art zu verzichten. Sollte Sie das Thema interessieren: Zeit Online hat was zum Thema Bienensterben und Industrie, new ethics redet mit einem Imkermeister und Peta erklärt die Basics.