Osterwasser

Als die Menschen noch an Götter und Geister glaubten, wanderten sie in einer Nacht an der Grenze zwischen Winter und Frühling zu den ihnen heiligen Quellen – den Wohnstätten der Wassergeister – um sich im klaren Wasser zu reinigen. Das heidnische Ritual verhieß Schönheit, Fruchtbarkeit, Gesundheit und Glück im folgenden Jahr. Vorausgesetzt man sprach kein Wort auf dem Weg zur und von der Quelle.

Derart soll es gewesen sein in alten germanischen Zeiten, angeblich in der sonntäglichen Nacht nach dem ersten Frühlingsvollmond, die heute die Nacht zum Ostersonntag ist. Und so weckte mich Opi schweigend, lange vor Sonnenaufgang, um mit mir durch den stillen, düsteren Wald neben unserem Gartengrundstück zum nächsten Fluss zu ziehen. Wortlos stapften wir nebeneinander her, ich fröstelte im Nebel und wich keinen Schritt von seiner Seite. Wir erreichten den kleinen Fluss, wuschen Gesicht und Hände im eiskalten Wasser. Und blieben gesund und schön bis ins nächste Jahr.

Frohe Ostern!