Wolkenstädte

Etwas bizarr wirken die runden, durchsichtigen Gebilde schon, die derzeit in der Ausstellungshalle der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof schweben – als hätte die futuristische Architektur eines Science-Fiction-Romans die literarische Dimension verlassen. Und wirklich: Das Informationsblatt zur Ausstellung erklärt, die Sphären gehörten zu Tomás Saracenos Idee alternativer Lebensräume. Inspiriert von Richard Buckminster Fullers kilometerdurchmessenden Utopiestadt Cloud Nine – einer freischwebenden geodätischen Kugel, die tausende Lebewesen in einer autonomen Gesellschaft vereinen soll – wachsen in einigen Sphären Pflanzen, zwei riesige Exemplare sind begehbar. Gehalten werden sie von zig schwarzen Seilen, deren Struktur sich der argentinische Architekt von Spinnennetzen abgeguckt hat. Von seiner Begeisterung für die leichten und wahnsinnig tragfähigen Fäden der Spinnen und der Entstehung seiner Kunstwerke berichtet er in diesem Video.

Tomás Saraceno - Cloud CitiesTomás Saraceno - Cloud Cities
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Das Konzept ist spannend – ungefähr wie meine kindliche Vorstellung mitsamt fliegendem Bett eine kleine Spritztour über den Sternenhimmel zu unternehmen – allerdings dürften die Sphären zum Leben nicht wirklich taugen: Die dauerhafte Isolation hätte sicher gruselige Auswirkungen auf die menschliche Psyche und die Regulation der Umweltbedingungen im Inneren erforderte repressive Organisationsformen.

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Die Ausstellung wurde verlängert und ist noch bis 19. Februar zu sehen.