Der Rest vom Kino 2011

Die (späte) Bilanz des letzten Jahres: 23 (!!) Filme im Kino angeguckt, die meisten innerhalb von neun Tagen auf dem Fantasy Filmfest (Rezensionen Teil 1 und Teil 2). Die Fantasy Filmfest Nights kamen etwas kurz, dafür habe ich es mehrmals ins Freiluftkino geschafft.

Almanya – Willkommen in Deutschland: Der Film erzählt die Geschichte des türkischen Gastarbeiters Hüseyin, der in den 60er-Jahren nach Deutschland kam, um schließlich die wenig begeisterte Familie nachzuholen. Jahrzehnte später verkündet seine Frau Fatma die deutsche Einbürgerung und Hüseyin den Kauf eines Hauses in der Türkei, wohin er alsbald mit dem gesamten Clan aufbricht. Ein rührender, witziger Film über Integration und Heimat aus einer mir völlig unbekannten Perspektive. Besonders schön, weil ich ihn mit zwei meiner Lieblingsmenschen und meinem Lieblingshund im schönsten aller Freiluftkinos bei leckerem Reissalat und Rotkäppchen Rosé genießen durfte.

Black Swan: Tänzerin Nina ergattert die Hauptrolle in einer Neuinszenierung des Balletts „Schwanensee“. Perfekt geeignet für die Rolle des weißen Schwans, verliert sie unter dem Druck, auch die unwiderstehliche Leidenschaft des schwarzen Schwans zu verkörpern, zunehmend den Verstand. Der Film bedient sich fern jeglicher Subtilität verschiedener Klischees: Das winselnde Weibsbild wird sich selbst nicht gerecht, der diktatorische Ballettoberguru nimmt, wonach ihm verlangt, die vom Ehrgeiz zerfressene Mutter gebietet über die Geschicke ihrer Tochter und die zwielichtige Gegenspielerin musste da auch noch irgendwie rein. Ausgestopft mit Pseudo-Horrorelementen, grandiosen Schauspielern und extravaganter Kameraführung blieb am Ende nur die Frage, was mir der Film eigentlich sagen wollte.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 2: Harry, Ron und Hermine suchen und vernichten die verbliebenen Horkruxes – magische Gegenstände, die von Teilen der Seele des Oberfieslings Voldemort erfüllt sind. Derweil marschieren Legionen böser Zauberer gegen Hogwarts, der große Showdown beginnt und beendet die glorreiche Harry-Potter-Saga mit viel Action, aber ohne Magie, Tiefsinnigkeit oder Humor. Ein sehr unterhaltsamer Film, vom ohnmächtigen Verdammnisgefühl des vorhergehenden Teils ist leider nichts geblieben.

Melancholia: Beim besten Willen, dieses überwältigende Ereignis verdient einen eigenständigen Artikel.

Rango: Ein domestiziertes Cha­mä­le­on in der Sinnkrise verunfallt unweit eines staubigen Wüsten-Kaffs, wird zum Sheriff ernannt und nimmt sich der alles bestimmenden Wasserknappheit an. Hervorragend animierter Streifen mit etlichen guten Ideen, lässigen Sprüchen und cineastischen Querverweisen, der mich allerdings weit weniger begeisterte als die lobhudelnde Medienwelt.

Taste the Waste: Ein großartiger Augenöffner zum Thema Lebensmittelverschwendung, über den ich bereits berichtete. Absolut sehenswert.

The Guard: Der irische Kleinstadtbulle Gerry flucht, säuft und hat eine Vorliebe für Prostituierte. Als er von einem glattgebügelten FBI-Kollegen um Unterstützung beim Einsatz gegen Drogenschmuggler gebeten wird, mutiert der Grieskram notgedrungen zum Actionhelden. Eigentlich ist die Story Nebensache, der Film wird von den ambivalenten Charakteren, den brillianten Dialogen und großartigen Schauspielern (allen voran Brendan Gleeson) getragen. Sogar die skrupellosen Bösewichte scheinen sympathisch. Knochentrockener Humor, bizarre Situationen vor karger Landschaft und merkwürdige Menschen – einer der besten Filme des letzten Jahres.