20/24

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich präsentiere: das diesjährige Weihnachtsgelage.

Wir beginnen rein vegetarisch, am 23.12. bin ich nämlich fürs Abendmahl zuständig. Bisher steht nur die Vorspeise: Zwiebelsuppe. Beim Hauptgericht schwanke ich zwischen Steinpilzrisotto und Grünkohl-Kartoffel-Auflauf, zum Dessert könnte ich meinen erprobten amerikanischen Käsekuchen oder Lebkuchenparfait servieren. Meh. Das muss der Familienrat entscheiden.

Am Heiligen Abend kommt wie jedes Jahr der Klassiker auf den Tisch: Kartoffelsalat. (Vermutlich mit Würstchen. Manches kann ich den Fleischessern einfach nicht ausreden.) Das Rezept (reicht locker für sechs) wurde nie aufgeschrieben, ungefähr so geht’s: Mehrere Kilogramm Kartoffeln bissfest kochen und abkühlen lassen. Einen oder zwei Äpfel und ein Glas Gewürzgurken in Würfelchen schneiden und in eine Schüssel von der Größe eines überaus geräumigen Fußbades befördern. Ein paar Eier hart kochen, ebenfalls klein schneiden und in die Schüssel geben. Mit Salz, Pfeffer (und ich glaube etwas Senf) würzen. Ein Glas Mayonnaise unterrühren. Die abgekühlten Kartoffeln in Scheiben schneiden (oder nicht allzu klein reiben) und unter die restlichen Zutaten mischen. Abschmecken und einige Stunden ziehen lassen.

Das folgende Szenario ist auch immer das gleiche: Wir essen bis wir uns nicht mehr bewegen wollen, köpfen den ersten Sekt und das erste Bier. Dann ist Bescherung. Wir reden über alte und neue Zeiten, spielen irgendwas, gucken vielleicht Fotos, trinken noch mehr Sekt und Bier. Lucy schlummert friedlich mittendrin. Zu fortgeschrittener Stunde konstatiert ein Familienmitglied die Existenz des Kartoffelsalates im Kühlschrank. Alle stöhnen, entschließen sich aber, „einen kleinen Klecks“ zu vernichten. Üblicherweise markiert dies das Ende des Salates, eventuelle Reste überleben die Nacht, spätestens aber das folgende Frühstück nicht.

Am ersten Feiertag werden Mami und Omi Bio-Ente und Kohl (rot oder weiß) kredenzen, mir wurde mein Leibgericht versprochen: vegetarischer Szegediner Gulasch aus Tofu, Unmengen Sauerkraut, Tomatenmark und Gewürzen. Am zweiten Feiertag sorgt meine Schwiegermama fürs leibliche Wohl: vegetarisch für den Metalhead und mich, der Rest der Familie bekommt Ente.

Uff.