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Wenn man zum Nikolaustag kleine Geschenke in anderer Menschen Stiefel stopft, sollte man wissen, wer dieser Nikolaus war und was er mit unseren Stiefeln zu tun hat.

Im vierten Jahrhundert wirkte der spätere Bischof von Myra etliche Wohltaten und Wunder, die ihm den Ruf von Freigiebigkeit und Güte einbrachten und zwei Jahrhunderte später zu einem der beliebtesten Heiligen aufsteigen ließen. So soll er drei Mädchen, die der verarmte Vater zur Prostitution nötigen wollte, des Nachts heimlich Geld durch Fenster und Kamin geworfen haben. (Einige seiner Heldentaten schreiben Historiker übrigens dem im sechsten Jahrhundert verstorbenen Nikolaus von Pirana zu.) Aus der Jungfrauen-Legende etablierte sich im 15. Jahrhundert der »Einlegebrauch«: Zunächst bastelten Kinder am Gedenktag des Nikolaus von Myra Schiffchen, in die der Heilige kleine Gaben legen sollte. Später entstand daraus die uns bekannte Nummer mit den Stiefeln respektive Socken. Anfang des 16. Jahrhunderts wetterte Luther gegen die Heiligenverehrung und propagierte die Bescherung am 25.12. durch das Christkind. Vielerorts fungierte der Nikolaus weiterhin als Gabenbringer, das Datum des Beschenkens verschob sich jedoch allmählich auf Weihnachten. Womit wir bei dem dicken Typen mit weißem Rauschebart und den roten Klamotten wären: Der Weihnachtsmann in seiner heutigen Gestalt wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts von zwei Malern geprägt und in den 1930er-Jahren von Coca Cola zu Werbezwecken popularisiert.

So, ich geb jetzt den Nikolaus und verlose Schlag Mitternacht das wunderbare Buch Anständig essen von Karen Duve unter allen Kommentatoren dieses Posts.

Karen Duve - Anständig essen

Warum ausgerechnet dieses Buch? Weil sich eine Durchschnittskonsumentin plötzlich fragt, woher ihre Nahrungsmittel kommen, ob es moralisch vertretbar ist, andere Lebewesen zu essen und wo menschliches Mitgefühl und Opferbereitschaft ein Ende haben. Sie unterwirft sich nacheinander den Dogmen verschiedener Ernährungsweisen (Bio, vegetarisch, vegan, frutarisch) und vermittelt dem Leser ein sehr subjektives Bild ihrer Erfahrungen. Wenn also eine »Billig-Hähnchengrillpfanne in Aluschale«-Vertilgerin über die Ethik ihrer Ernährung ins Grübeln gerät und persönliche Konsequenzen daraus ableitet, widerfährt Ähnliches vielleicht dem Gewinner dieses Buches. Und das wiederum würde mich unglaublich freuen.