Kulturempfehlungen

Nummer 1: „Polaroids“ ist eine Hommage an die im vergangenen Jahr verstorbene ostdeutsche Fotografin Sibylle Bergemann. Das Berlin der 60er Jahre in schwarzweiß, Porträts von Frauen und Mädchen, Einrichtungsgegenstände: Die farbverwaschenen Bilder wirken wie aus einem fernen, unscharfen Traum, melancholisch und manchmal geisterhaft. Ganz nebenbei lernt der interessierte Neu-Amateurfotograf (Ich!), dass sich die Schärfentiefe zuweilen auch bei Polaroidkameras beeinflussen lässt. Ergänzt wird die Ausstellung durch die filmische Dokumentation Mein Leben – Die Fotografin Sibylle Bergemann. Absolut sehenswert.

Statt verblichener Polariods zeigt „In a Lonely Place“ hochaufgelöste, aufwendig inszenierte Momentaufnahmen typisch amerikanischer Vorstädte, in denen die Abgründe menschlicher Seelen lauern. Entfremdung, Einsamkeit und verborgene Gewalt gießt Gregory Crewdson so detailreich in an Filmsets erinnernde Bilder, dass ich ständig darauf wartete, vom Grauen höchstpersönlich angefallen zu werden.

Beide Ausstellungen laufen noch bis 4. September im C/O Berlin.

Nummer 2: Das Bauhaus-Archiv präsentiert derzeit Fotografien von Albert Renger-Patzsch: Zwei kommerzielle Fotoserien porträtieren das Fagus-Werk, das als eines der ersten Beispiele moderner Architektur gilt, Werkzeuge und Schuhleisten der Fabrik sowie die Firmeninhaber. Besonders amüsant erschienen mir die Aufnahmen gesunder und deformierter Füße, die den neuartigen Angulus-Varus-Schuh bewarben. Wann macht man sich schonmal Sorgen über die Haltung der Füße?

Barcelona-Pavillon in "The Third & The Seventh"

Einmal im Bauhaus-Archiv habe ich mir auch den Rest der Sammlung angesehen. Faszinierende Architekturmodelle haben sie da, besonders angetan war ich vom Barcelona-Pavillon, den Ludwig Mies van der Rohe anlässlich der Weltausstellung im Jahr 1929 für das Deutsche Reich entwarf. Diese klaren Strukturen, der Lichfluss, das Wasser zu ebener Erde… seufz. Eine meiner Begleiterinnen legte mir angesichts meiner Begeisterung einen Film ans Herz, den ich für ein Meisterwerk der Computeranimation halte. Please fullscreen!

So, ich muss los, der nächste Film des Fantasy Filmfests ruft.