Fantasy Filmfest 2011: Magere Ausbeute (1)

Ursprünglich war dieser Artikel mit den Worten „Fantastische Film-Ausbeute“ betitelt, einer unsagbar schlauen, zweideutigen Anspielung auf das 25. Fantasy Filmfest und dessen ebenso fiktionale wie großartige Inhalte. Leider erwiesen sich die meisten Streifen, die ich mir zu Gemüte geführt habe, eher als durchschnittliches Genrekino denn als cineastische Offenbarung. Um es mit den Worten meines Busenfreundes auszudrücken, dessen Spielplan sich kaum mit meinem deckte: „Es war ein dünnes Jahr.“

Hair Of The Beast: Französisch-Kanada im Jahr 1665. Frauenheld Joseph Côté, soeben dem Galgen entkommen und in die Identität eines verstorbenen Jesuitenpfarrers geschlüpft, sieht sich auf dem Landgut Seigneur Beauforts nicht nur dem wachsenden Argwohn der Einheimischen ausgesetzt, sondern bald auch angriffslustigen Werwölfen, die sich vor allem für den frisch eingetroffenen Nachschub an heiratswilligen Jungfrauen interessieren. Unterhaltsame, historisch angehauchte Gruselkomödie, deren Budget den Werwölfen leider anzusehen ist. Auch hätte der Plot weniger durchschaubar sein dürfen.

Phase 7: Als das Hochhaus, in dem Müßiggänger Coco und seine hochschwangere Freundin Pipi wohnen, aufgrund einer unbekannten Seuche unter Quarantäne gestellt wird, ändert das am normalen Tagesablauf der beiden zunächst nicht viel. Erst der paranoide Nachbar Horacio macht Coco auf den schwellenden Konflikt zwischen den Hausparteien aufmerksam und nötigt ihn zum Handeln. Von einigen grotesken Einlagen abgesehen, tröpfelt die Story eher unmotiviert vor sich hin, die beklemmende Situation wird nicht ausgenutzt, Konflikte nur ansatzweise ausgetragen. Hingegen sind Federico Luppis Auftritte als schießwütiger Daktari-Verschnitt wirklich sehenswert.

Suicide Room: Dominik outet sich durch einen peinlichen Zwischenfall versehentlich als schwul, was an seiner Eliteschule via Facebook blitzschnell die Runde macht. Eben noch bewundert, wird er nun verhöhnt und zieht sich aus dem realen Leben in einen Chatroom zurück. Seine am eigentlichen Problem nicht interessierten Eltern zeigen sich von der Situation vollkommen überfordert. Das Thema ist alt, die Figuren agieren weder logisch noch überzeugend, die Szenen im Cyberspace wirken albern: Diesem klischeeüberladenen Teenie-Drama ist nur wenig abzugewinnen.

The Last Death: Psychologe Jaime versucht das Schicksal eines Mannes mit Amnesie zu klären, den er neben seiner Waldhütte bewusstlos vorfindet. Blasse Figuren in einem durchschaubaren Science-Fiction-Thriller, der schnell an Spannung verliert. Ganz nett.

The Revenant: Gefallener Soldat kehrt als Zombie-Vampir-Hybrid zurück, der mit Hilfe seines Buddies die Unwägbarkeiten des untoten Daseins zu meistern versucht. Anders ausgedrückt: Zum Überleben benötigt er Blut, das die beiden auf eher ungewöhnliche Art besorgen. Schöne Story, die vor Absurditäten und bissigen Kommentaren strotzt, bis sie unvermittelt abdriftet und wenig später fernab jeglichen guten Geschmacks endgültig stirbt. Der ärgerlichste Film des Fantasy Filmfests, eine herbe Enttäuschung.

Red State: Drei Jugendliche verabreden sich online zum Gruppensex mit einer älteren Frau und geraten dabei in die Fänge einer ultrakonservativen christlichen Sekte im mittleren Westen der USA. Ein skurriler Thriller, der keine Helden kennt und religiösen Fundamentalismus ebenso aufs Korn nimmt wie die zu Hilfe eilende, rücksichtslose Staatsräson. Erstklassige Schauspieler (John Goodman!), überraschend kompromissloser Plot und jede Menge Sarkasmus: Mochte ich sehr.

Super: Klassischer Loser mutiert zum Möchtegern-Superhelden nachdem seine Frau mit einem schmierigen Drogendealer türmte. Ohne adäquate Kräfte bedient er sich ordinärer Werkzeuge, um dem Verbrechen den Garaus zu machen und seine Herzdame zurückzugewinnen. Brutal überzeichnete Action-Komödie, die Religion und Gewalt so gnadenlos politisch inkorrekt zuspitzt, dass der Humor auf der Strecke bleibt. Too much.

A Lonely Place To Die: Fünf Bergsteiger befreien in den schottischen Highlands ein kleines Mädchen aus einer versteckten Kammer im Erdboden und werden fortan von den Entführern gejagt. Spannender Thriller vor beeindruckender Kulisse, der kaum Zeit zum Luftholen lässt. Die Dramaturgie hätte auf den serbischen Vater des Mädchens allerdings problemlos verzichten können. Durchaus guckenswert.