Der längste Biergarten der Welt

Die Biermeile, das Lieblingskind der Friedrichshainer Bezirksverwaltung, steht vor der Tür. Buchstäblich: Die Buden sind aufgebaut, Leitungen aller Art verlegt, Sitzbänke und Tische strategisch günstig platziert und die ersten Testbiere getrunken. In wenigen Stunden wird die Karl-Marx-Allee, einst sozialistisches Vorzeigeobjekt über dessen Geschichte derzeit eine Ausstellung im lokalen Café Sibylle informiert, von Berliner Biergourmets überrannt. Spätestens die Dämmerung verwandelt mein sonst so friedliches Zuhause in einen Moloch aus dem Gestank menschlicher Ausdünstungen, gegrillten Fleisches und massenhaft verschütteten Bieres. Auf der Suche nach friedlicheren Gefilden werde ich Urinlachen im Hauseingang durchwaten, heldenmutig die Mitten des nächsten Biergartens passieren, vorbei am bestechenden Odeur der Dixi-Klos und dem zerlatschten, mit geborstenen Glasflaschen, Fressresten und Plastikmüll übersäten Rosengarten. Ich werde zu den Klängen mittelmäßig präsentierter Gute-Laune-Live-Musik schlafen, untermalt von den Geräuschen sich im Weidenweg Forest entleerender Mägen und dem unflätigen Geschrei alkoholisierten Pöbels. Das Los des Anwohners.

Wer es sich leisten kann, flieht. Die anderen beten zum Wettergott, es möge regnen, schneien, hageln und stürmen. Ich baue dieses Jahr auf Godzilla oder eine Invasion glibberiger Reptilienaliens. (Und euer blöder Weltrekordversuch ist mir auch scheißegal.)