Spieltrieb

Museen sind doof: Man zieht gelangweilt von einem Exponat zum nächsten, stellt pflichtschuldig fest, dass das Interesse am Thema größer sein sollte und ist froh, wenn man den Laden wieder verlassen kann… Ja nee, ich mach nur Spaß. Es gibt auch nette Museen, das Museum für Kommunikation zum Beispiel.

Ich bewundere bunte Ansichtskarten, lese Feldpost aus dem 1. Weltkrieg, bestaune uralte Briefkästen und amüsiere mich über die Post einstiger FDGB-Urlauber, die sich ihrer fantastischen Unterbringung rühmen. Vorm Telex der zweite ostalgische Schub: Aus Mami sprudelt die Geschichte vom indischen Gast im „Hotel Stadt Leipzig“, dem erst bei direkter Konfrontation mit der antiquierten DDR-Technik dämmert, dass sein mehrseitiges Fax eingetippt (!!) als Lochstreifen (!!) beim Empfänger enden würde. Dann Schimpftirade auf Karl-Eduard von Schnitzler, dessen Schwarzer Kanal Teil einer Gegenüberstellung ost- und westdeutscher Sendungen ist. Irgendwo klingelt ein Telefon, immer wieder. Am anderen Ende eine Frau, die uns auslacht. Wir melden uns gar mit „Ministerium für Staatssicherheit“, doch es klingelt weiter.

Etliche Anrufe, Knöpfe, Leuchten, Spielchen und eigens gestempelte Postkarten später stoßen wir auf die aktuelle Wechselausstellung: „Gerüchte“. Ich überprüfe eben den Wahrheitsgehalt der Behauptung, alle Chinesen würden Hunde essen, als Mami auf einen Kasten neben sich deutet: „Unterhalt dich doch mal!“ Der Kasten spricht mich an, ich gucke doof. Ein kleiner Mann sitzt darin an einem Schreibtisch mit einer Zeitung in der Hand, ich gucke dooferer. Er redet mit mir, ich solle ihm ein Gerücht erzählen. Ich lehne ab und frage stattdessen, ob er Hunger hätte. Nein, einmal am Tag gäbe man ihm eine Banane, das würde reichen. Lustiger Kerl, der noch bis Sonntag in seinem Kasten auf Besuch wartet.