Dramatisches Puppenspiel

„Loriots dramatische Werke“ in einem Puppentheater, klang spannend, da wollte ich hin. Vorher noch eben zu Baharat Falafel um die Ecke, unsere Mägen knurrten und bis zur Vorstellung blieb keine halbe Stunde. Ich witterte nostalgisch-verzerrte Studentenerinnerungen als der Metalhead den Imbiss mit den Worten »mein Lieblingsfalalafelladen aus Unizeiten« anpries, doch ich irrte. Der fürsorgliche Herr hinterm Tresen redete mir die Falafel wegen vermuteter Glutenbelastung aus und empfahl stattdessen gegrilltes Gemüse, knackigen Salat mit Sesamjoghurtsauce und einen Gute-Laune-Saft aus frisch gepresstem Obst. Dem Metalhead drückte er das obligatorische Falafel-Sandwich in die Hand. Yummy. Und ab ins Theater.

Größtenteils hatte man Loriots unbekanntere Stücke herausgesucht, jedoch auch etliche Hits wie »Der sprechende Hund« und »Der Lottogewinner« mit einem bleichen, altersgerecht kaputt wirkenden, absolut goldigen Erwin Lindemann. Den hätte ich genauso knuddeln wollen wie den vermeintlichen Astronauten, der sich vollkommen ungerührt die Szenerie besah. Leider funktionierten nicht alle Stücke derart, viele litten an unpassender Betonung, so auch die Klassiker »Das Ei« und »Feierabend«. Hermann hatte es einfach nicht drauf, er schien nicht halb so bemitleidenswert genervt wie das Original. Mit Vicco von Bülow und Evelyn Hamann lässt es sich eben schwer messen.

Ausschnitt aus "Loriots Dramatische Werke"

Gewöhnungsbedürftig war auch das im Theatersaal vorherrschende Schwarz an Wänden und Mitwirkenden. Das musste so, damit die Puppenspieler neben den Akteuren aus Pappmaché nicht zu sehr ins Auge stechen. Aber schwarze Kopfüberzüge mit benetzten Augenschlitzen, die den Dschihad quasi in persona auf die Bühne rollen? Weißjanich.

Loriots Dramatische Werke - Erwin Lindemann

Lachen und Rumkritisieren machen hungrig, wir flogen im spanischen Restaurant „La Boca“ ein und entschwanden ob ungemütlicher Neonbeleuchtung, Plastikspeisekarten in Tourioptik und begriffsstutziger Kellnerin nach einem Kaffee in den nächsten Laden. Stil geht anders. Bei Berkis war es dann auch gleich viel netter: Rustikal-griechisches Essen, ein umsichtiger Kellner, dem mein unfreiwilliger Anti-Gluten-Feldzug nicht am Gesäß vorbei ging und schlichte Einrichtung. Schön.