Der Schein trügt

Während halb Europa wie toll im Eurovision-Fieber vor sich hinglüht, zappe ich anderswo beinahe zu weit – fast wäre mir eine echte Perle entgangen, hätte Claus Strigel seiner Dokumentation Der Schein trügt einen weniger cleveren Titel gegeben.

Die »Expedition in die Rätsel des Geldes« erklärt, wie Billionen des Tauschmittels virtuell, also ungedeckt durch reale Werte, erschaffen und von Banken jongliert werden und welche Auswirkungen dieser Umgang mit Geld und unsere Gier danach haben. Bernard Lietaer, leidenschaftlicher Kritiker des Geldmonopols, untermalt das Ganze anhand plastischer Beispiele. Überhaupt könnte ich den Ausführungen dieses ruhigen Mannes den gesamten Abend lauschen. Wieso hat mir vorher niemand die Abläufe der Finanzwirtschaft derart populärwissenschaftlich-einfach erläutert? Seine Vision nennt sich Komplementärwährung. Kein bloßes Hirngespinst, in Brasilien beispielsweise existieren über 40 dieser alternativen Zahlungsformen und kurbeln die Wirtschaft in besonders armen Regionen an. Wie der »Palmas«, von dem der ehemalige Pfarrer und Gründer der Banco Palmas Joaqin de Melo berichtet. Auch Fritz Vogt, langjähriger Chef einer der kleinsten Banken Deutschlands weiß Schlaues vom Geld, seiner Wirkung und der eigentlichen Aufgabe von Banken zu verkünden. Für Amüsement sorgt die Geldscheffel-Lehrstunde durch den »Guru« Bodo Schäfer, deren sektenartiger Flair sich spätestens bei der Animation der geldgeilen Zuhörerschaft durch eine Physiotherapeutin offenbart.

Wer sich bisher für Aktien, Finanzmärkte und den Fluss des Geldes so gar nicht begeistern konnte, dem sei dieser faszinierende und äußerst eindringliche Film wärmstens empfohlen. Ich gehe unter den Eindrücken jetzt erstmal eine neue Währung drucken.