Dreimal Kunst und zurück, bitte (2)

Nu aber weiter im Text, bin spät dran. Sie lesen: Die Fortsetzung der Familienkulturnacht.

Wir erreichen das Stadtbad Neukölln mit Scharen weiterer Menschen – die Unterwasseroper scheint das Killerevent dieser Langen Nacht zu sein. Korreliert eventuell mit der prägnanten Positionierung auf Seite eins des Spielplans. Wir reihen uns ein. Mami grübelt laut, sich von jedem Besucher die Badekappe vorzeigen zu lassen. Natürlich hat niemand eine dabei, wir auch nicht. Eine halbe Stunde des Wartens im überfüllten Treppenbereich später, geht es vorwärts. Die Massen drängen halbwegs sortiert ins imposante Schwimmbad, wir erklimmen schwitzend die Galerie. Ach nee! Die Veranstaltung wurde falsch angekündigt, wir erleben heute nur eine Probe. Der Chor klingt tatsächlich amphibisch, Frauen waten durchs Schwimmbecken und wieder hinaus, eine Solistin stürzt sich melodramatisch ins Nass, kein Unterwassergesang. Genug Oper für die nächsten zehn Jahre.

Unterwasseroper im Stadtbad Neukölln

Unser verfrühter Abgang beschert den Stachelschweinen im Europa-Center drei weitere Besucher. Szenen aus dem laufenden Programm in zwanzig Minuten, politischer Humor mit dem Holzhammer. Ganz nett, aber ein wenig subtiler darf es schon sein. Bemerkenswert ist die Soundunterlegung, die wird nämlich live erzeugt.

Die Stachelschweine

Von der Tauentzien- zur Kantstraße ist es nicht weit, wir könnten es zur letzten Wittenberg-Teilvorstellung des Abends schaffen. Schneller Fußmarsch zur Vaganten Bühne, man weist uns lächelnd die letzten freien Sitzplätze. Luther und Faust streiten in der Universitätsstadt Wittenberg um Hamlets Glauben und Denken und geizen dabei weder mit Wortkanonaden noch mit cleveren Spitzen oder Querverweisen. Ein außerordentliches Vergnügen, das wir uns beizeiten unbedingt komplett zu Gemüte führen müssen.

Vaganten Bühne

00:38 Uhr. Wir machen einen kurzen Abstecher in die Volksbühne, den Ort der diesjährigen Abschlussparty, bewundern die tolle runde Riesenleuchte auf der Bühne, flüchten vor der dichten Menge Tanzwütiger darunter. Und vor der Musik.

Abschluss in der Volksbar gegenüber. Drinnen ist die olle Mucke leider viel zu laut, um die wunderbare Retro-Möblierung ausgiebig zu würdigen, draußen stoßen wir beinahe die fragilen Tische um. Aber ein toller Blick auf die belebte Volksbühne. Und jeden Sonntag der „Tatort“ auf Großleinwand. Die Preise scheinen zivil, in den Cocktails weht eine steife Brise. Ne muffige Garniturananas obendrauf.

02:40 Uhr. Nach Hause, das Tier wartet und mir brät eine Wiese im Kopf. Oder so.