Dreimal Kunst und zurück, bitte (1)

Kurz vor 19:00 Uhr. Die Familie fliegt aus, zur 3. Langen Nacht der Opern und Theater. Letztes Mal sind wir in der Komödie am Kurfürstendamm versackt (tolles Programm), heute hegen wir ambitioniertere Pläne.

Start unserer Kulturnacht ist das BKA-Theater, Ades Zabel & Company präsentieren Teile ihres Programms Edith Schröder: Made in Neukölln. Dass wir offiziell in Kreuzberg weilen, interessiert hier niemanden und auch wir sind spätestens nach der ersten klischee-bunten Gesangseinlage und Ediths Ausführungen zum lokalen Hipp-Getränk Futschi (Weinbrand und Cola) überzeugt davon, in der „Bronx von Berlin“ gelandet zu sein. Sprachgewaltige Prekariatskomik im „blusenwarmen“ Schröderschen Wohnzimmer. Schrill, laut und amüsant und überhaupt – Neukölln in nett.

Uns überrascht der Hunger, Curry 36? Nee, nie (wieder) im Leben (obwohl sie Bio-Würste anpreisen). Mami entdeckt an der nächsten Ecke einen Italiener, Amici Amici. Unerwartet geschmackvolles Ambiente, freundliche, schnelle Bedienung (wir haben doch keine Zeit) und delikates Essen. Sogar von dieser komischen Getreideeiweißallergie hat man gehört und bietet mir Risotto mit Käsesauce und Walnüssen an. Preislich absolut verträglich, da gehen wir wieder hin. Aber in Ruhe.

Der Metalhead übernimmt erneut die Führung, wir Weiber sind in dieser Region völlig orientierungslos. Wir springen von U-Bahn zu S-Bahn, hetzen zum Jüdischen Theater Bimah und … verpassen knapp den Beginn der Tucholsky-Lesung. Die Dame an der Tür verwehrt uns und anderen Wartenden den Zutritt, das würde stören und außerdem wäre der Laden eh rappelvoll. Meh, wie ärgerlich.

Wenigstens bleibt uns die Jagd nach der nächsten Vorstellung erspart, wir ziehen per Routen-Bus-Shuttle gemütlich weiter zum Stadtbad Neukölln, in dem die Unterwasseroper AquAria_PALAOA aufgeführt werden soll. Ich bin zwar kein Fan von Opern (genau genommen bin ich aus „Hoffmanns Erzählungen“, der einzigen Oper meines Lebens, in der Pause geflüchtet), aber amphibische Klänge in einem sicher beeindruckenden, alten Gebäude, das ist doch was.

Über den Rest unseres vergnüglichen Kulturstreifzugs wird morgen an (fast) dieser Stelle zu lesen sein. Sonst nörgelt @orangespicy wieder ob der Länge meines Textes.