Kriminaltheater: Bis zum Äußersten

Seit sich meine Schwiegerelten bei TwoTickets.de angemeldet haben, sind sie unentwegt auf Tour durch die Berliner Kulturszene. Kürzlich brauchten die beiden eine Pause und schickten deshalb uns zur abendlichen Aufführung von Bis zum Äußersten im Berliner Kriminal Theater.

Ich flog vollkommen uninformiert über das Stück nach Dienstschluss im Theater ein, der Metalhead gab mir daher einen kurzen Überblick: Geschrieben von William Mastrosimone, 1982 unter dem Titel „Extremities“ uraufgeführt, der gleichnamige Spielfilm mit Farrah Fawcett (Charlies blonder Engel) in der Hauptrolle erschien 1986. Rahmenhandlung: Marjorie wird in ihrem Haus von einem Unbekannten überfallen, der sie demütigt und zu vergewaltigen sucht. Sie wehrt den Angreifer ab und dreht den Spieß um.

Konkret heißt das: Sie sprüht ihm nach einigen Handgreiflichkeiten und Demütigungen Insektenspray in die Augen, überwältigt und fesselt ihn. Doch statt ihren Peiniger sauber verschnürt der Polizei zu übergeben, grübelt Marjorie über die Wahrscheinlichkeit seiner Verurteilung und ergeht sich in Rachegefühlen. Dummerweise bleibt der Mann ungeknebelt, was ihm allerlei Gelegenheit zu perfiden Manipulationsversuchen bietet, die mit dem Auftreten von Majories Mitbewohnerinnen schließlich auf fruchtbaren Boden zu fallen scheinen. So entwickelt sich die gequälte Marjorie mehr und mehr vom Opfer zum Täter als nach der leichtgläubigen, willfährigen Terry auch die analytische Patricia geneigt ist, der Version des Gefesselten Glauben zu schenken.

Schwups, mittendrin im emotionalen Sog. Dabei plätscherte das Stück bis eben zwar durchweg interessant, aber etwas unatmosphärisch vor sich hin. Der fiese Angreifer ist auf einmal ein Mensch, ein verletzter, hungriger Mensch, dessen Schilderung der Ereignisse so furchtbar plausibel klingt. Wäre man als Zuschauer nicht dabei gewesen und wüsste man nicht, was man gesehen hat. Marjories Verzweiflung beißt mir fast in den Hintern als ihre Rückendeckung plötzlich das Lager wechselt. Bis Patricia das Jagdmesser des Eindringlings entdeckt…

„Bis zum Äußersten“ geht leider nicht bis zum Äußersten: die Brutalität Marjories (Sabine Langendorf) wird in dieser Inszenierung nur angedeutet, Vergewaltiger Raul (Mirko Zschocke) hätte eher bedrohlicher Zynismus statt humoristischer Einlagen gestanden. Alexandra Madincea gefiel mir in ihrer stereotypen Rolle als emanzipierte Patricia, darüber hinaus sollte man keine schauspielerischen Glanzleistungen erwarten.