Resturlaubverbummeln auf Madeira (2)

Der Urlaub ist vorbei, der Erholungspegel sinkt stündlich. Allerhöchste Zeit für ein Resümee.

Hotel: Sehr schöne, gepflegte und relativ ruhig gelegene Anlage mit beeindruckendem Pflanzen- und Katzenreichtum und dem für eine Quinta obligatorischen Gemüsegarten. Grandioser Blick aufs Meer. Haben regelmäßig die Billardkugeln und den Tischtennisball gequält und im modernen Spa eine exzellente Massage genossen. Unser großzügiges Appartement beinhaltete eine kleine Küche (damit die Zöliakiste notfalls selbst was zaubern kann), die leider einige Utensilien und den Luxus eines Geschirrspülers vermissen ließ.

Drachenbaum in der Quinta Splendida

Nähere Umgebung: Eher enttäuschend. Caniço ist ein kleiner Ort mit schludrig erbauten, wüst über Berg und Tal verteilten Gebäudeansammlungen, einer Autobahn und lauten Nebenstraßen. Die Attraktionen bestehen aus einem unansehnlichen Marktplatz mit überdimensionierter Weihnachtskrippe und kleiner Kirche, einem Supermarkt, einer Post und einem Café.

Exkursionen: Weil wir weder ein Auto mieten noch an einem organisierten Ausflug teilnehmen wollten, waren wir erkundungstechnisch auf uns selbst angewiesen. Nachdem wir Caniço als weitgehend unattraktiv abgearbeitet hatten, besuchten wir eine der örtlichen Haltestellen, um mittels Linienbus die madeirische Hauptstadt zu erobern. Wir warteten wunderbare 75 Minuten an der falschen Haltestelle und bretterten anschließend verkniffen grinsend und bei jeder Kurve innerlich kreischend am Abgrund entlang gen Funchal. Verlebt wirkende Gebäude, abgasschwangere Luft, Weihnachtskrippen, blinkende Lichterketten, riesige Schneemänner und ein von dröhnendem Straßenlärm umgebener Stadtpark. Hatte ich mir anders vorgestellt.

Weihnachtskrippe in Funchal

Da Funchal als Dreh- und Angelpunkt für weitere Touren dient, reisten wir tags darauf erneut mit dem Bus in die Hauptstadt und hoben mit der Seilbahn Richtung Monte, einem angeblich malerischen Dörfchen hoch auf dem Berg, ab. Ich verbrachte den Großteil der Fahrt damit, dem Metalhead einen meiner Höhenangstalbträume präzise zu schildern, während ich vorsichtig aus dem Fenster linste, um mich am spektakulären Ausblick zu laben.

Blick aus der Seilbahn von Funchal nach Monte

Ungeplant stiegen wir am Ziel in eine weitere Seilbahn, die uns zum nahen botanischen Garten beförderte. Meine Unruhe mäßigte sich derweil zu dumpfer Mulmigkeit. Der Jardim Botânico wirkt sicher weitaus beeindruckender, liegt das Feriendomizil nicht bereits inmitten einer blühenden Pflanzenpracht. Die dicken Kakteen kannten wir schon, die moppeligen Spinnen waren neu. Mein Drang, den Maschendraht der Volieren im Vogelpark zu zerschneiden, meldete sich zuverlässig beim Anblick des ersten eingesperrten Tieres; keine Ahnung wie man sich daran erfreuen kann. Unser letzter Seilbahntrip vollzog sich im Nebel, ein tolles Erlebnis für Liebhaber des Freilufthängens. (Grmpf.) Des Metalheads ambitionierte Suche nach verborgenen Levadas boykottierte ich aufgrund falschen Schuhwerks und launischer Wetterlage. Außerdem würden wir uns gleich mit einem traditionellen Korbschlitten den Berg hinunterstürzen (lassen), reichtjawohl. Zuvor wunderten wir uns über die herbstliche Atmosphäre des tatsächlich pittoresken Örtchens Monte, schusselten die feuchten, kopfsteingepflasterten Wege hinab und bestaunten die idyllische Parkanlage. In einem Carro de Cesto schubsten uns zwei brubbelige Herren dann ein Stück den Berg hinab, die restliche Strecke liefen wir zu Fuß. Auf dem Weg nach unten entdeckten wir einige Häuser, die trotz abgebröckelter Fassaden und maroder Mauern imponierten. Das war’s an Kultur, die restliche Zeit lagen wir auf der faulen Haut. Doch etwas blöd ohne Auto.

Nahrung: Die Nahrungsaufnahme fand vorwiegend im Hotel statt, das Frühstücksbuffet sogar mit glutenfreien Minikäsebrötchen und Reiswaffeln. Auch beim abendlichen Dinner zeigten sich Kellner und Köche sehr bemüht, eine glutenfreie Variante des Menüs zu kredenzen. Ich war vom inseltypischen Degenfisch mit Banane begeistert, der Metalhead schwärmte des Öfteren von den ungemein fluffigen Backwaren. Unsere eigenen Kochkünste nutzten wir zur Herstellung von Bratkartoffeln mit Rosenkohl, Kokosmilchreis und Brownies. Die mitgereiste Selleriestaude Nummer vier verwandelte sich in einem wahnsinnigen Anfall von Kreativität zu Sellerie-Risotto. Zweimal.

Wetter: Hat nach grandiosem Auftakt stark nachgelassen, sehr wechselhaft, vorwiegend Strickjackentemperatur. Es empfiehlt sich, immer ein Regencape dabeizuhaben. Oder die Insel nicht im regenreichsten Monat des Jahres zu besuchen. Trotzdem besser als Minusgrade und Schneegestöber.

Flug: Hinflug ohne größere Aufreger und ohne das zuvor georderte glutenfreie Essen. Ärger mit Air Berlin auf dem Rückflug. Man wollte uns erst in die Heimat zurückbringen, wenn wir die nicht erhaltene Spezialnahrung bezahlt hätten. Hat den Abschluss des Urlaubs etwas verdorben, ist inzwischen aber geklärt.