Nackenschmerzen und andere Freuden (2)

Noch immer in Leipzig. Vollgefressen raus aus der Mädler-Passage und rein ins eisige Nieselwetter. Kaffee und Kindheitsgeschichten hatten mehr Zeit beansprucht als geplant, wir mussten uns sputen. Kein Problem, denn der Metalhead steuerte das Gefährt. Allein geschwindigkeitsmäßig war unsere kleine Exkursion ins Hellraiser fraglos abenteuerlich. Noch spannender wurde die Suche nach dem Club als kurz vor 20 Uhr – die erste Band sollte exakt fünf Minuten später die Bühne betreten – die Straße auf einem stockdunklen, seelenleeren Straßenbahnhof irgendwo in Leipzig-Engelsdorf endete. Verdammte Technik! Hatten uns das dämliche iPhone und Google Maps ans falsche Ende der Stadt geschickt? Panic, now!!

Umgedreht, zurückgeholpert. Wenig später Licht, Straße, Zivilisation. Moment. Schwarzgekleidete Menschen, langhaarige Kerle. Der Club musste hier irgendwo… da! An prominenter Stelle und genau der Ecke, um die wir kurz zuvor ins Nirgendwo gebogen waren. Grandiose Leistung. Einen Parkplatz fanden wir glücklicherweise schneller und verschwanden alsbald eilig im Hellraiser, time’s ticking.

Hellraiser, kein Hellraiser

Wir hatten nichts verpasst, die Bühne gähnte vor Leere. Von standesgemäß dunklen Wänden grinsten uns lumineszierende Drachen, halbnackte Weiber und blanke Totenschädel an. (Im Original von Luis Royo, wie mich der Metalhead später zu beeindrucken wusste.) Die zahlreichen Menschen mit optimistisch dunkler Kleidung und beneidenswert langem Haupthaar grinsten weniger, schienen aber dennoch bestens gelaunt.

Nach kurzem Warten gaben die Israelis Orphaned Land den Auftakt der Show. Schöner Metal mit zahlreichen orientalischen Folk-Elementen, der leider nach einigen Songs in Monotonie abdriftet. Leichtes Kopfnicken.

Meine Favoriten des Abends, Ghost Brigade, folgten. Eine relativ junge, finnische Band, die durch ungemein eingängigen Melodic Death Metal und extrem sympathisches Auftreten überzeugt. Da flogen die Haare!

Zu guter Letzt die Headliner, Amorphis. Eine dieser gefühlt uralten Metal-Bands aus Finnland, die ihren Stil über die Jahre mehrfach umgekrempelt haben und eher in das Metier des Metalheads fallen. Ich mag viele ihrer Songs, einige nicht. Hervorragender Sound, vom Mosch-Faktor her durchwachsen. Das hätte noch ein bißchen mehr knallen dürfen.

Dessenungeachtet hatten sich zwischenzeitlich das altbekannte, leicht flaue Gefühl im Kopf und die ersehnten Nackenschmerzen eingestellt. Zufrieden und mit frisch erworbenen T-Shirts in der Hand verließen wir den Club, den ich am liebsten nach Berlin gebeamt hätte.

Und nun? Zu einem Absacker ins Stadtzentrum zurück, in die Gegend ums alte Rathaus, wo auch zu später Stunde der Bär steppt. Wir landeten im Spizz, einem recht großen Club im Barfußgässchen, der vor Leuten aus allen Nähten platzte. Furchtbare Musik (leider kein Jazz), aber glutenfreier Milchreis mit Apfelmus und Zimt.

Der nächste Tag sollte mit Frühstück im Café Grundmann starten, einem stadtbekannten Wiener Kaffeehaus im Art-Deco-Stil, das angeblich glutenfreies Frühstück offeriert. Wir hatten Glück, zwei Plätze zu ergattern, das Café war wegen des Buß- und Bettages (Feiertag in Sachsen, hatten wir natürlich vergessen) vollkommen überlaufen. Zu meiner Freude standen verschiedene glutenfreie Bissen auf der Speisekarte, ich entschied mich für englisches Frühstück mit weißen Bohnen in Tomatensauce, Spiegeleiern, Würstchen und frisch aufgebackenen glutenfreien Brötchen. Milchkaffee dazu, perfekt. Auf dem Weg nach draußen ergatterten wir noch einige Stück optisch sehr attraktiven, aber glutenverseuchten Kuchens, denn meine Omi hatte zum Kaffee eingeladen. Unser Besuch sollte aufgrund dienstlicher Verpflichtungen nur von kurzer Dauer sein, was Omi selbstverständlich nicht daran hinderte, einen astreinen Kaffeetisch aufzufahren und uns zum Abschied die Taschen mit Süßigkeiten vollzustopfen. Schön war’s.