Nackenschmerzen und andere Freuden (1)

Für anständige Musik nehmen der Metalhead und ich durchaus einige Kilometer Anreise in Kauf. So verschlug es uns Mitte November in meine Geburtsstadt Leipzig. Amorphis, Ghost Brigade und Orphaned Land sollten für fliegende Haare (mir mangelt es im Gegensatz zum Metalhead leider deutlich an geeignetem Material) und ordentliche Nackenschmerzen sorgen.

Zunächst begutachteten wir unser Zimmer im Hotel Berlin. Für eine Nacht in Ordnung, Urlaub würde ich dort nicht verbringen wollen: durchflutet vom leicht muffigen Atem der 80er, jedoch halbwegs sauber mit einem bequemen Bett und beinahe zu freundlichen Empfangsdamen. Taschenabwurf und weiter ins Stadtzentrum, Hunger!

Als Zöliakiste hatte ich vor dem Trip natürlich recherchiert, in welchem Etablissement die größten Chancen auf glutenfreie Nahrung bestünden. Den Abend wollten wir daher in Auerbachs Keller verbringen. Eine gute Entscheidung. Offenbar wird der Laden endlich von kompetenter Hand geführt, an frühere Besuche mit dürftigem Essen erinnerte lediglich die Lokalität selbst. Diese hat den Charme eines bayrischen Bierkellers (nein, das ist nicht negativ gemeint) inklusive entsprechender Geräuschkulisse bei viel Betrieb. Wir waren an einem Dienstag dort – die Besucherzahlen hielten sich in Grenzen, der Lärm ebenfalls.

Auerbachs Keller

Unsere Kellnerin beherrschte ihr Handwerk: schnell, kompetent, sehr zuvorkommend. Und im Umgang mit Nahrungsmittelallergikern geschult, was mich außerordentlich freudig stimmte. Die komplette Karte stand mir zwar nicht zur Verfügung, die verbleibende Auswahl war dennoch mehr als zufriedenstellend. Wir orderten:

  • Geräucherte Flugentenbrust mit Orangen-Chicorée-Feldsalat und karamellisiertem Apfelkompott in Preiselbeerdressing, mit Reibekuchen
  • Rostbratenwickel vom Kalbsschlegel im Brustspeckmantel, gefüllt mit Rohschinken und Salbei, mit Waldpilzen und Ratatouillegemüse

und (leider nicht glutenfrei)

  • Wildrahmsuppe mit Waldpilzen und Preiselbeersahne
  • Rehkeulenbraten aus der Dübener Heide mit Apfelrotkohl, Champignons und sächsischen Kartoffelklößen

Ich grinste permanent wie ein Honigkuchenpferd und konnte mein Glück kaum fassen: hervorragendes glutenfreies Essen, auswärts! Der Metalhead zeigte sich ähnlich begeistert.

Vollgefressen wandelten wir die Mädler-Passage hinauf, stoppten aber bereits ein paar Meter weiter. Genauer gesagt beim Glockenspiel aus Meissener Porzellan, welches ich in Kindertagen bewunderte, sooft Omi und ich auf Stadtbummel in der Gegend waren. Eigentlich müsste es gleich zur vollen Stunde klingen… Der Metalhead war schnell zu einem Kaffee in der nahen Kümmel Apotheke überredet und lauschte artig meinen Kindheitsgeschichten und dem Glockenspiel.

Glockenspiel in der Mädler-Passage

Nu aber los, Haare schütteln. (Teil 2 gibt’s in drei Wochen.)