HP Envy 14-1010eg in Dauernutzung

Nach zwölf Wochen mit meinem neusten Spiel- und Werkzeug fühle ich mich nun bemüßigt, meine Wertung dessen Tauglichkeit als technischer Lebensabschnittsgefährte der geneigten Weltöffentlichkeit zugute kommen zu lassen. Aber erstmal der Einleitungsklimbim.

Ich suchte einen Ersatz für mein fünf Jahre altes und inzwischen etwas leistungsschwaches Powerbook, mit dem ich hauptsächlich arbeitete. Meine Anforderungen hielt ich für durchschnittlich: mattes, bevorzugt 14″-Display mit brauchbarer Auflösung, leise, kühl, für vereinzelte grafiklastigere Spielchen geeignet, angemessene Akkulaufzeit von über vier Stunden, hochwertige Verarbeitung, benutzbares Touchpad. In dieser Reihenfolge. Der Massenmarkt priorisiert augenscheinlich andere Merkmale und so artete die Nummer in eine Odyssee aus. Treffender als Fefe könnte ich die haarschädigende Suche kaum ausdrücken. Da ich nicht von fundamental-religiösen Anti-Apple-Erwägungen beseelt war, hatte ich schließlich zwischen einem MacBook Pro 15 und einem HP Envy 14 zu entscheiden. Der Preis und die Feststellung, nicht mehr mit Mac OS arbeiten zu wollen, gaben den Ausschlag – ich kaufte das Envy.

Die Hardware kurz umrissen: Intel Core i5 520M mit 2,4 GHz, 4 GB RAM, ATI Mobility Radeon HD 5650, glänzendes Display mit einer Auflösung von 1600×900, 500 GB SATA-Platte mit 7200 RPM, Slot DVD±R/RW Double Layer, Multitouch-Pad, hintergundbeleuchtete Einzeltasten-Tastatur und das übliche Anschlussgeraffel, von dem mich nur die Hälfte interessiert.

Vor der ersten Inbetriebnahme habe ich die Verarbeitung des Envys eingehend geprüft, immerhin bin ich den Luxus des Apfels gewöhnt. Hier und da passen die Bauteile nicht millimetergenau zusammen, der Deckel lässt sich im geschlossenen Zustand ein wenig nach unten drücken. Ist mir egal, das Ding ist nicht als Abstellplatz für Sperrgut gedacht. Die Verzierungen auf dem Aluminium-Gehäuse sind Geschmackssache, ich bevorzuge die simple Apple-Variante, die wirkt optisch irgendwie leichter.

Beim Einschalten läuft der Lüfter kräftig an und hält sich dann weitgehend im Hintergrund. Ja, er ist wahrnehmbar, in der Abgeschiedenheit eines tibetanischen Klosters könnte das leise Rauschen als störend empfunden werden. Ich blende das Geräusch inzwischen völlig aus… nur gerade jetzt nervt es, weil ich darüber schreibe.

Das Lüften erfüllt seinen Zweck, es kühlt. Vorbei die Zeiten, in denen mir mein Arbeitsgerät die Oberschenkel knusprig gegrillt hat; ich werde sie nicht vermissen. Wirkliche Last habe ich meinem Begleiter bisher nicht zugemutet, vielleicht würde ihm dann auch ein wenig warm um die CPU.

Vom Display bin ich jeden Tag aufs Neue angetan. Prima Auflösung, mit der ich ausgezeichnet arbeiten kann. Die Helligkeit ist für die täglichen Aufgaben mehr als ausreichend, die verfügbaren Abstufungen sind allerdings gewöhnungsbedürftig. Komplett abdunkeln kann man das Display nur auf die harte Tour per Standby-Schaltung. Im Freien habe ich das Envy noch nicht betrieben, mit voller Leuchtkraft sollte dies kaum problematisch sein – vom Rumgeglänze abgesehen, das mich im Normalbetrieb erstaunlich selten ärgert.

Leider ist die Akkulaufzeit weniger erfreulich. Die großmundig von HP versprochenen acht Stunden erreicht das Envy maximal im Standby, möglicherweise auch mit Zusatzakku – das zählt aber nicht. Zweieinhalb bis drei Stunden bei mittlerer Last sind die realitätskorrigierten Werte. Schon etwas enttäuschend, aber vermutlich liegt Akku-Technologie der Komplexität von Atomphysik doch näher als ich dachte.

Touchpad-Design offenbar auch. Scrollen mit zwei Fingern funktioniert hin und wieder, wenn man fest draufpatscht, der rechtsseitige Scrollbereich könnte ebenfalls zuverlässiger sein. Teile des Touchpads dienen als Maustaste, was ich von neueren Macs kenne und sehr komfortabel finde. Die verkraften indes einen irgendwo auf dem Pad herumlungernden Daumen, ohne eine Multitouch-Geste zu interpretieren. Das Synaptics-Pad ist bedauerlicherweise deutlich dümmer. Ich warte noch immer sehnsüchtig auf ein Treiberupdate. (Vielleicht klau ich Akku und Touchpad vom MacBook Pro meines Metalheads. Bin mindestens neidisch.)

Abschließend noch einige Punkte außerhalb meiner Priorisierungsskala. Die hintergrundbeleuchtete Tastatur hielt ich anfangs für Schnickschnack, mittlerweile habe ich sie sehr zu schätzen gelernt und möchte sie nicht mehr missen. Schließlich werkle ich als Grottenolm bevorzugt in schummrigen Räumen. CPU-Whining, ein in entsprechenden Foren häufig kritisiertes Manko der neuen Envy-Reihe, ist… so eine Sache. Ich kann das zuweilen wahrnehmbare hochfrequente Fiepen nicht exakt lokalisieren. Könnte auch ein Flo sein, der Pfeifen übt, oder mein sich wandelndes Hörvermögen. Ein sehr leises Klacken ist gleichsam vernehmlich, Quelle unbekannt. Stört auch nur, wenn man mit dem Ohr an der Tastatur klebt.

Fazit: Ich würde es wieder kaufen. Zumindest im Angesicht der Optionen, die sich während meiner Suche boten.